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Warum ich mich gestern dazu entschieden habe, die EM nicht anzuschauen

Marthe-Victoria Lorenz | 13. Juni 2016

Gestern war das Auftaktspiel von „Die Mannschaft“, der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Ganze 30 Minuten habe ich mir das Spiel angeschaut und dabei daran gedacht, dass von unseren fairplaid-Projektstartern bald auch viele EM haben. Zumindest von denen, von denen ich es zufällig über facebook mitbekomme.

Die Drachenboot-EM steht zum Beispiel an oder die Obstacle Course Racing EM. Wie viele unserer Projektstarter gerade an einer EM teilnehmen, weiß ich gar nicht. Wahrscheinlich werde ich es auch eher nicht erfahren.

Während mir die Fußball-EM überall direkt vor Augen geführt wird – ob ich will oder nicht – weiß ich es von vielen anderen Sportarten gar nicht. Sportarten und Sportler, die genauso Deutschland im Wettkampf vertreten.

Nur sieht, hört, und liest sie keiner – zumindest nicht in den Massenmedien.

Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich das Spiel jetzt gerade nur anschaue, um es „gesehen zu haben“, nicht um des Fußballs Willen. Wir haben mit fairplaid sogar gestern noch einen facebook-Post dazu gemacht, den wir (ich gestehe) bei anderen Sportarten nicht gemacht hätten. Wahrscheinlich, weil keiner den Zusammenhang so verstanden hätte, wie gestern.

Um dabei zu sein. Um mitreden zu können am nächsten Tag. Man kann doch nicht nicht.

Doch man kann.

Während der 30 Minuten habe ich irgendwann angefangen, nebenbei zu arbeiten, und nur noch den Kommentar. Dann entschied ich mich ganz auszumachen. Lieber würde ich jetzt weiter an fairplaid arbeiten und damit dem Sport in Deutschland helfen.

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht gegen Fußball und die Jungs haben es auf jeden Fall verdient, gesehen zu werden (und ich werde die Ergebnisse sowieso mitbekommen und mich über die vielen Siege freuen ;). Nur Andere eben auch. Andere, die Inspiration für die Gesellschaft liefern, die „Die Mannschaft“ gar nicht liefern kann. Ich denke hier zum Beispiel an Behindertensport, an die Menschen, denen das Leben nicht so mitspielt, und die dennoch sportliche Ziele erreichen. Armin Ceric beispielsweise, der gerade Deutscher Meister im Elektrorollstuhlhockey geworden ist.

An Sportler, die neben Höchstleistungen im Sport noch ein Medizinstudium absolvieren und jedem zeigen: Du kannst das auch schaffen.

Jeder sollte die Chance haben, auch einen Beitrag zur Integration, zur Leistungsethik und zur Inspiration von Jugendlichen zu haben.

Solange ARD und ZDF es also nicht als ihre Aufgabe ansehen, ihre unfassbare Macht als Medienanstalt zu nutzen, um die Sportlandschaft und ihre Vielfalt mitzugestalten, solange werde ich mir dort auch keinen Sport ansehen. Im Geschichte Leistungskurs habe ich hier den Begriff die „friedliche Revolution mit Füßen“ oder „Abstimmung mit Füßen“ gelesen.

Zum Glück gibt es bereits Alternativen zu den Öffentlich-Rechlichen, dem Internet sei Dank (siehe auch „Liebe Sportler, wer braucht eigentlich noch die ARD?„) Neue Angebote, wie Sportdeutschland.TV, haben zwar noch nicht die Macht des Fernsehen, aber ihre Zeit wird in der „Netflix-Generation“ in den nächsten 5 bis 10 Jahren kommen. Schneller als wir alle denken. Dann hat jeder die Chance sich zu zeigen und eine Öffentlichkeit zu nutzen. Nicht nur „Die Mannschaft“, sondern „Die Mannschaften“. So wie es der DFB in seinem Video nach dem Angriff auf Boateng so schön dargestellt hat.

Wir sind Vielfalt.

#showmemore #sportfairliebt

Autor: Marthe-Victoria Lorenz

Marthe ist Gründerin von fairplaid.org und kämpft für mehr Förderung des Breitensports. Sie ist leidenschaftliche Basketballerin und engagiert sich ehrenamtlich in der Basketball-Abteilung von Türkiyemspor Berlin 1978 e.V. als Vorstandsmitglied sowie als Trainerin einer U12-Mädchenmannschaft.


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