So überzeugt Dein Sportprojekt Unterstützer und Sponsoren

Marthe-Victoria Lorenz | 16. Juli 2018

Du hast dich sicherlich auch schon das ein oder andere Mal dabei erwischt. Du surfst in einem Online-Shop,  guckst Dich um und kaufst am Ende doch nichts. Gründe kann es hierfür viele geben: Kann ich dem Betreiber vertrauen, werden meine Käufe pünktlich geliefert? Ist mein gewünschtes Produkt dabei? Gibt es nicht einen besseren/günstigeren Shop? Ist meine gewünschte Bezahlmethode dabei (53% Abbruchquote! für alle, die die Kontodaten auf der Vereinswebseite noch für zeitgemäß befinden)? Bin ich ÜBERZEUGT?

Wenn sich also 100 Menschen in einem Online Shop umschauen, heißt das nicht gleich, dass alle 100 kaufen. Je nachdem, wie gut der Shop ist, kaufen z.B. 3 am Ende wirklich ein. Man nennt dies Konversionsrate, weil 3 Menschen vom Umhersurfer zum Käufer konvertiert sind. 3 Menschen haben sich am Ende für den Shop entschieden.

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13.000 Menschen waren auf dem fairplaid-Projekt der U21-Damen Kanupolo Nationalmannschaft, die 2017 für die Reise zur WM innerhalb von wenigen Tagen 20.000€ herzaubern mussten. 303 haben letztendlich unterstützt und das Projekt zum Erfolg geführt. 13.000 Menschen haben umhergesurft, 303 wurden konvertiert zu Unterstützern.

Du siehst also, dass es den Menschen auf Deiner Projektseite geht, wie in jedem Online-Shop. Sie klicken auf der Projektseite umher und entscheiden aufgrund Design, Benutzerfreundlichkeit, Bezahlmethoden (unsere Verantwortung) sowie Bilder, Texte und dem Projekt an sich (Deine Verantwortung), ob sie unterstützen – oder eben nicht. Und so überzeugst Du sie:

 

Der erste Eindruck: Du hast einen Plan

Ich habe bereits einen ausführlichen Artikel geschrieben, der Dir zeigen soll: Wir können jeden Euro gebrauchen funktioniert nicht.

Ziele und Visionen sind wichtig, denn sie zeigen, dass Du einen Plan hast, was mit dem Geld passiert. Du gehst ja auch nicht zur Bank und sagst: Ich brauche Geld. Du gehst zur Bank und sagst: Ich brauche 100.000€ für ein tolles Haus. Dieses wird toll, weil Baufirma X es für 70.000€ und der Handwerker Y es für 30.000€ richtig schön macht. Hier sind ihre Angebote und der Plan dazu.

Stelle Deine Ziele deshalb in den Mittelpunkt, in den Fokus und benenne auch Dein Projekt danach:

Nachwuchsförderung für unseren Verein
Besser: Mission Oberliga 2017: Unsere U16 an die Spitze

Fanutensilien und Werbematerialien für die Halle
Besser: Hölle West brennt: Let’s get ready to rumble!

Trainingslager in Portugal
Besser: Mein Weg nach Rio

Kunstrasenplatz
Besser: Eine neue Heimat für Euch und uns!

Ihr habt also ein Ziel und es ist klar: um ein Ziel zu erreichen müssen finanzielle Mittel her. Die Trikots, das Trainingslager, die neue Halle, die Werbematerialien sind nur Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen.

 

Gib den Menschen einen Sinn

Egal ob Dein Projekt eher sozial oder eher professionell aufgestellt ist, sollte es immer hervorheben, was Deine Unterstützer eigentlich für einen großen Nutzen haben, wenn das Projekt umgesetzt wird.

Es kann die Motivation, der Wille, Ruhm, Neid, Anerkennung sein, für den Menschen alles geben, welcher ihnen jeden Preis wert ist. Dass ihre Kinder richtig trainieren und groß rauskommen. Dass der Erzfeind überwunden werden kann. Dass andere Mannschaften neidisch auf die gute Ausrüstung der eigenen Mannschaft blicken. Dass Kinder aufschauen auf die Leistung und diese nachahmen. Zeige den Menschen auf, wieso es wichtig ist, dass das Projekt realisiert wird und zwar indem Du Salz in die Wunden der Menschen streust. “Mein Projekt dient nicht nur mir, sondern ist auch für DICH. Stell Dir vor…”

 

Bilder und Videos: Sei sympathisch

In Stuttgart gibt es unglaublich viele Pizzerien und Restaurants. Besonders bekannt aber ist das Il Pomodoro. Hier würde ich mich schon fast als Stammgast bezeichnen und das, obwohl der Vapiano nur 100m weiter entfernt ist. Und wieso? Ich MAG die Inhaberin, sie ist einfach sympathisch und nett. Jedes Mal muss ich selbst mit Reservierung eine halbe Stunde warten, aber es gibt immer ein Glas Prosecco und Pizzabrot zum Warten, jede Kellnerin lächelt Dich an und die Chefin beschäftigt sich mit Dir. Von mir aus kann sie die Preise um 30% erhöhen, ich wünsche ihr sogar, dass sie Millionärin wird.

Und das ist Dein Ziel: Die Menschen müssen Dich auf den ersten Blick und Klick mögen, sich mit Dir oder Deiner Situation identifizieren können. “Ja genau das kenne ich, genau in derselben Situation stecke ich auch.” “Oh was macht die Mannschaft für tolle Sachen, toll dass sie sich so engagieren.” “ Wow, was die erreichen wollen, hier möchte ich Teil von etwas GROSSEM werden.“

Ohne Visualisierung geht das nicht. Du kannst beispielsweise Deine ganz persönliche Videobotschaft an Deine Unterstützer hochladen. Sich ein Video anschauen ist einfach immer noch bequemer, als Text zu lesen. Was bewegt euch? Wieso macht ihr das? Was treibt euch an? Wieso benötigt ihr Unterstützung? Ein Handyvideo, nicht länger als 100 Sekunden (!), ist hierbei völlig ausreichend.

 

 

Der große Vorteil: Videos verbreiten sich z.B. in facebook besser, da nur Text im Stream Deiner Freunde nicht so häufig erscheint, wie ein Video.

Sei transparent und zeige Deine Pläne

Vertrauen spielt eine große Rolle, wenn Menschen ihren Geldbeutel zücken sollen. So hatte ich ein fast schon traumatisches Erlebnis als 8-jährige, als ich einem Bettler 2€ meines Taschengeldes überließ und ihn auf dem Rückweg mit einer frischen Packung Zigaretten sah.

Gib den Menschen das Gefühl, dass sie euch vertrauen können. Seid ehrlich mit der finanziellen Situation des Vereins, Deines Teams, von Dir selbst. Transparenz ist insbesondere in Bezug auf die Verwendung des gesammelten Geldes sehr wichtig, wenn nicht der wichtigste Faktor in der Projektbeschreibung. Die potentiellen Unterstützer möchten ganz genau wissen wofür ihr Geld verwendet wird.

Ein Beispiel. Das Trainingslager kostet 550€, die wie folgt zustande kommen:

225€ Übernachtung im Schullandheim
150€ Verpflegung der Kinder
75€ Benzinkosten
100€ Teilnahme-Gebühr

 

Geh nicht betteln, sondern biete Mehrwerte

Neben Deinem Projekt selbst und Deiner persönlichen Überzeugungskraft gibt es noch die Möglichkeit Deinen Unterstützern weitere Anreize zu bieten, z.B. durch eigene Prämien. Und genau hier soll sich Crowdfunding vom klassischen Spendensammeln unterscheiden: die Unterstützer erhalten für ihren Beitrag etwas zurück, was über das “Gute Gefühl” hinausgeht.

Hierbei steht eine Frage im Mittelpunkt: Für was würden meine Familie, Freunde, Fans, Mitglieder Geld ausgeben. Was ist ihnen etwas wert? Von der speziellen Behandlung beim Heimspiel, VIP-Tickets oder der Kuchenflatrate kann dies ein monetärer Mehrwert sein. Die Prämien sollte es dann nur während der Laufzeit des Projektes geben, ganz exklusiv für Deine Unterstützer. Sei dabei ruhig kreativ! Denn es kann auch sein, dass es Deinen Freunden etwas wert ist, Dich “leiden” zu sehen, z.B. weil Du für jeden Euro eine Liegestütze oder Linienlauf machst oder die Icebucket-Challenge durchführst.

Bei uns stellen euch zudem Unternehmen Prämien zur Verfügung. So kann jeder Unterstützer seine 5€-Unterstützung z.B. gegen einen 10€-Gutschein eintauschen oder seine 15€ für zwei Tickets eines Bundesliga-Clubs. Nutze diese exklusiven Prämien und Gutscheine auch als Werbemittel, denn diese gibt es NUR über die Unterstützung Deines Projektes!

Und das Wichtigste zum Schluss:

Zeige Engagement

Ein Crowdfunding-Projekt läuft nicht von alleine, deshalb solltest Du Dich bewusst auf Dein Projekt einlassen. Bereite die Inhalte für Dein Projekt im Vorfeld gut vor und plane genügend Zeit für die Bewerbung Deines Projekts vor und während der Laufzeit ein. Dein Engagement ist hier gefragt! Diese Vorbereitung zahlt sich am Ende im wahrsten Sinne des Wortes aus. Denn umso schneller Dein Projekt bekannt wird, umso eher erreichst Du potentielle Unterstützer, desto eher vermarktet sich Dein Projekt und der Stein kommt ins Rollen.

Noch besser ist es aber, wenn Du Dich nicht alleine engagierst. Beziehe bereits in der Vorbereitung mehrere Menschen in das Projekt ein und gründe ein “Orga-Team”. So fühlst nicht nur Du Dich für den Erfolg des Projektes verantwortlich, sondern auch andere.

Also ran an die Schrauben und sammle erfolgreich Gelder für Dein Projekt!

Starte gleich mit deinem Sport-Crowdfunding-Projekt.

Autor: Marthe-Victoria Lorenz

Marthe ist Gründerin von fairplaid.org und kämpft für mehr Förderung des Breitensports. Sie ist leidenschaftliche Basketballerin und engagiert sich ehrenamtlich in ihrer Basketball-Abteilung des MTV Stuttgart 1843 e.V.


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