Liebe Sportler, wer braucht eigentlich noch ARD?

Dagmar Erhardt | 10. Mai 2016

„Wassersport, Leichtathletik und natürlich Fußball: Sportfans können im Programm der ARD aus einem reichhaltigen Angebot auf Top-Niveau wählen.“

Naja – das war’s dann aber auch schon mit dem reichhaltigen Angebot.

Seit Jahren wird darauf gewartet, dass auch mal anderen Sportarten ein wenig Platz im Öffentlich-Rechtlichen zuteil wird. Jedes Warten und Protestieren hat jedoch nichts geholfen. Allein die Einschaltquote zählt, und die ist bei Fußball einfach am Größten.

Anstatt nun aber über das Fernsehen oder das Interesse der Massen zu wettern, haben wir ein paar Alternativen für Euch.

Alternativen

Man könnte Sport machen gehen und seinen Kummer darüber vergessen, dass man das wichtigste Turnier des Jahres seiner Lieblingsmannschaft nur über deren Liveticker und soziale Medien verfolgen kann, außer natürlich man kann anwesend sein. Bei einem Sieg wird man vielleicht freudig ein Bier trinken, auch wenn man den entscheidenden Punkt nie gesehen hat. Bei einer Niederlage wird einen das vielleicht gar nicht enttäuschen.

Außerdem könnte man seine Nase in diesen Artikel stecken und herausfinden, dass es bessere Alternativen gibt.

Wie „Zeit“-Autorin Alina Fichter in ihrem Artikel „Da guckst du“ bereits am 10. Oktober 2013 feststellt, verbringt gerade die junge Generation überhaupt nicht mehr so viel Zeit vor dem Fernseher.

„Wir gucken alle kein Fernsehen mehr“ YouTube – Star Philipp Laude

Ein „starres Senderschema“ ist der Jugend ein Gräuel, die ihr Programm lieber online selbst bestimmt.

„Trends, Neues, Bewegendes erfahren sie nicht als Erstes aus der Zeitung, sondern über die Facebook-Kommentare oder Twitter-Meldungen ihrer Freunde. Gefällt ihnen ein Film oder Videoclip, weisen sie gut sichtbar darauf hin – und machen die sozialen Medien so zur neuen Fernsehzeitschrift.“

Diese Entwicklung lässt klar werden: Hier kann man ansetzen! Gleich ob als Zuschauer oder Verein.

Dass das bereits aufkommt, merkt man am Beispiel des FC Bayern München, der seine Meisterfeier zwar zuerst über den BR zeigen ließ. Als es bei der double-Feier dann zu Unstimmigkeiten kam (Bayern wollte, dass sich der BR an den Kosten beteiligte, was dieser ausschlug), wich der Verein einfach auf social media aus und ließ die Fans so trotzdem teilhaben.

Social Media

Snapchat

begrenzt die Videolänge auf 15 Sekunden, die Qualität ist abhängig von filmerischem Talent und der Handykamera. Zur Übertragung von ganzen Spielen also völlig ungeeignet. Denkbar sind lediglich vereinzelte Impressionen des Spiels oder Einblicke hinter die Kulissen. Das sollte jedoch nicht unterschätzt werden – Snapchat-Stories können eine sehr authentische Repräsentation des Vereins sein, die man auf diese Art selten sieht und entsprechend beliebt werden kann. Als eine Art „Liveticker“ ist die App hervorragend nutzbar.

Facebook Livevideos

sind nicht länger nur verifizierten Seiten vorbehalten. Jeder kann nun streamen – auf 30 Minuten limitiert und nur von der Smartphone-Kamera aus. Für ganze Spiele also nutzlos, allerdings bergen sie ein großes Potential für Interviews und ähnliches. Da Facebook Videos eine höhere Anzeigerate im Feed der Abonnenten einräumt, ist eine Auseinandersetzung damit unumgänglich, wenn man diese erreichen will.

Twitters Streamingdienst

Periscope versetzt die Nutzer in die Lage, Live-Videos direkt per Smartphone aufzunehmen, auf Twitter zu teilen und sich auch mit den Zuschauern auszutauschen. Nach Ende der Übertragung kann das Video gespeichert werden. Zudem ist ein erneutes Abspielen via Periscope bis zu 24 Stunden nach der ersten Übertragung möglich. Schalke 04 überträgt Interviews und behind-the-scenes-Einblicke, Übertragungen sind nur Grenzen gesetzt, wo sie mit Live-Rechten von Medienpartnern kollidieren.

YouTube

bietet mittlerweile Livestreaming auch in Deutschland an. Das frühere Geoblocking wurde aufgehoben.

Darauf müsst Ihr achten

Stichwort: Rechte. Aber was sind Fernsehrechte nun genau? Die Antwort mag zunächst überraschen: Ein solches „Fernseh- oder Fernsehübertragungsrecht“ gibt es eigentlich nicht. Zumindest sieht das deutsche Gesetz keines vor. Was wird dann aber, teils für Millionenbeträge an Sender verkauft? Da Veranstalter von Sportveranstaltungen allein wegen des organisatorischen Aufwands geschützt werden müssen, bedient sich das Gesetz eines juristischen Kunstgriffs, der dem Veranstalter ein Hausrecht einräumt. Er hat damit das Recht, zu entscheiden, wen er einlässt und wen nicht. Auf diese sogenannten „Abwehrrechte“ verzichtet der Veranstalter, wenn er „Übertragungsrechte“ verkauft. Bei „Exklusivrechten“ verkauft er diese Rechte ausschließlich an einen Sender. Doch auch, wenn Vereine selbst zu Anbietern werden wollen, müssen sie einiges beachten. Schließlich sind sie nicht selbst Veranstalter ihres Spiels: In den meisten Fällen ist es der Hallenbesitzer. Dessen Zustimmung muss eingeholt werden.

Angenommen, man hat nun alles Handwerkszeug beisammen, muss man nur noch einen weiteren Fallstrick vermeiden: So braucht man für ein regelmäßiges, journalistisch-redaktionell geprägtes Live-Programm, das sich an mehr 500 gleichzeitige Zuschauer richtet, eine Rundfunkzulassung. Mehr Hinweise dazu gibt die Web-TV-Checkliste der Landesmedienanstalten.

Livestreamportale

Viele sind es nicht. In Deutschland ist es sogar nur eine:

  • Sportdeutschland.tv ist eine Plattform, auf der jeder Sportverein einen Kanal erstellen kann. Inhalte, vor allem Livestreams, stehen jedem zur Verfügung. Das Portal besitzt die entsprechende Sendelizenz der Landesmedienanstalt.
    Ein Interessierter kann sich im Menü unter „Livestreams“ für einen Newsletter eintragen. Er wird für seine selbst ausgewählten Sportarten über geplante Veranstaltungen informiert, die er dann verfolgen kann.
    Was Sportdeutschland.tv von seiner internationalen Konkurrenz abhebt, ist zum Einen die sehr übersichtlich gestaltete Webseite und zum Anderen die moderate Anzahl von Werbeanzeigen.
    Wer seine Spiele übertragen will, ist bei diesem Portal an der richtigen Adresse. Wie das geht, erfährst Du weiter unten.

spd.tv

  • Die indische Streamingplattform starsports.com bietet sogar die deutsche Fußball-Bundesliga in HD und kostenlos im Stream an – und das vollkommen legal.

starsportswebsite

  • Streamshunter.tv hat es sich zur Aufgabe gemacht, verfügbare Streams zu finden. Auf der Seite kann man leicht eine Sportart auswählen und laufende Streams sehen. Es gibt allerdings keine Möglichkeit, mehrere Tage im Voraus zu planen, da nur Streams im Laufe eines Tages angezeigt werden.

Eine weitere, weniger relevante Auswahl findest Du unter folgendem Link (allerdings nur in englisch): https://www.bestsportstreaming.com/

Wie werde ich selbst zum Anbieter?

Der Aufwand eines Livestreams ist für Vereine nicht so groß, wie es scheint. Die UniRiesen Leipzig machen es vor (Kanal auf Sportdeutschland.tv: https://sportdeutschland.tv/search?q=UniRiesen ). Die Kosten für das Projekt wurden über fairplaid-Crowdfunding eingeholt (Hier geht’s zum Projekt).

Wie in unserem Interview mit dem Geschäftsführer des Basketballvereins festgestellt wurde, ersetzen die Online-Zuschauer keineswegs die in der Halle. Vielmehr wird durch einen Livestream zusätzliches Publikum gewonnen. Eine Kamera genügt, um das Spiel einzufangen.

Unter https://livestream.fairplaid.org/ findest Du die gemeinsame Initiative von fairplaid und Sportdeutschland.tv, um jedem Verein einen eigenen Livestream zu ermöglichen.

Fazit

Vereine haben in Zeiten des Internets die Freiheit, ihr Publikum selbst zu gewinnen und aufzubauen. Zuschauer wiederum finden sehr viele Übertragungen, wenn sie nur danach suchen.

Wir haben so viele Möglichkeiten, wir müssen sie nur nutzen.

Autor: Dagmar Erhardt

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3 Kommentare

    1. Mist! Da war ich wohl voreilig, danke für den wichtigen Hinweis. Ich werde den Artikel bis heute Mittag ändern.
      Danke auch für den Link, euer Stream sieht top aus, sehr cool gemacht!! 🙂

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