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Ein Spitzensportler muss 50% seiner Zeit mit Marketing verbringen

Marthe-Victoria Lorenz | 18. September 2018

„Ich bin nun mal kein Medienmensch,“ hatte Christoph Harting einst gegenüber Journalisten gesagt. Die Medien seien nochmal ein komplett anderes Berufsfeld. Er sei in erster Linie Sportler.

Diese Aussagen von einem Goldmedaillen-Olympiagewinner zeigen, wie sehr Profisportler ihren Beruf verkennen. Zumindest die, die von ihrem Beruf Sport leben wollen. Den Unterhalt bestreiten. Mit Geld.

Denn der Beruf „Athlet“ besteht eben nicht nur aus dem Sport. Nur mit Sport alleine verdient kaum ein Athlet Geld. Selten sind Siegprämien so hoch, dass damit der Unterhalt bestritten werden kann. Sind die Siegprämien hoch, dann ist auch entsprechend der Wettbewerb hoch, es wird dementsprechend auch schwerer, zu gewinnen (deswegen ist es nicht so einfach Profi-Fußballer zu werden). Schon alleine deshalb nutzen die Sportler zur Quersubventionierung etwas anderes: die Plattform außen herum. Das Sport-Event an sich, welches Zuschauer anzieht. Die Übertragung des Ereignisses ins Fernsehen oder ins Netz. Vermarktung.

Nicht mit dem Sieg wird Geld verdient, sondern mit der Plattform außen herum. Das ist das Geschäftsmodell, auf dem der Sport basiert. Bekanntheit, die man eben nur durch Medien transportiert.

Was passiert, wenn man bekannter ist:

  • Mehr Menschen kommen live zu deinen Sport-Events
  • Mehr Menschen verfolgen deine Sport-Karriere
  • Du wirst erst zum Vorbild, wenn andere Menschen dich kennen. Ohne dich zu kennen, kannst du für niemanden ein Vorbild sein.

 

 

„Wenn deine Idee keinen Markt besitzt, ist es ein Hobby, aber kein Business.“

Dabei kämpfen Sportler – wie Unternehmen auch – mit dem Henne-Ei-Prinzip. Ohne Training kannst Du nicht gewinnen und damit auch nicht mit dem sportlichen Erfolg bei Sponsoren hausieren gehen und Geld zu verdienen. Ohne Geld kannst Du aber nicht mit einem freien Kopf trainieren und damit wahrscheinlicher nicht gewinnen.

Nehmen wir an, ein Athlet ist ein Selbstständiger. Ein Unternehmer, wie jeder andere auch. So gelten auch für ihn die Prinzipien, die für Unternehmen gelten.

Wieso Marketing dann hochpriosiert werden sollte, zeigen Fälle, in denen eben auch ohne großen sportlichen Erfolg Geld verdient wird. Bestes Beispiel: Anna Kournikova.

Das Geschäftsmodell im Sport basiert auf Bekanntheit.

Das passiert, wenn Dich mehr Leute kennen:

  • du nimmst mehr Geld ein durch Zuschauer
  • du wirst interessanter für  Medien
  • du bekommst mehr Sponsoren

 

Cash is oxygen: Ohne Moos nix los

Gary Vaynerchuk ist einer der erfolgreichsten Unternehmer auf Social Media. Auf die Frage „What would you prioritize as a one-person business“ schreibt er: „In the beginning of every venture, it can be difficult to predict your cash cycle and know what to prioritize because everything feels imperative. Customer satisfaction is huge, as are issues like establishing company culture, budget, marketing, and hiring.

But there is one thing that always transcends everything else: Cash. It is the oxygen of your business. You can make the greatest cup of coffee, the greatest sneaker, the greatest TV Show, or the greatest work of art ever, but if you can’t sell your product you are out of business. So your first priority is sales, because it generates cash, and cash is what allows you to do everything else. Without it you’re a fish out of water, gasping for breath. I can’t say it enough times: Cash is oxygen.“

Seiner Meinung nach also sollten sich Sportler erst darum kümmern, sich ein wenig zu vermarkten, um dann das damit generierte Geld zu nutzen, um die sportliche Karriere weiter nach vorne zu bringen.

Um diesem Zyklus des Henne-Ei-Prinzipes zu entfliehen, heißt für die meisten Unternehmen das Zauberwort „Anschubfinanzierung“, etwa in Form eines Kredites oder von Investoren, die im Gegenzug Anteile erhalten.

Was also tun, wenn die Reichweite noch nicht groß genug ist, es also noch keinen Markt gibt?

Eine gute Möglichkeit der Anschubfinanzierung kann Crowdfunding sein.

Das passiert, wenn du ein Crowdfunding-Projekt durchführst:

  • Du baust ein Netzwerk auf
  • Du erregst Aufmerksamkeit
  • Du finanzierst dein Projekt

 

Wie machst Du Social Media zu Geld?

Einige Gründe, die für Crowdfunding sprechen:

  • Selbst unbekannte Sportler mit wenig Crowd können diese nutzen (Erfolgsbeispiel Laura, Charles Franzke, Armin Ceric)
  • Denn anders als Unternehmen, können Sportler Privatpersonen andere Gegenleistung als Reichweite bieten (die diese noch nicht haben).

Dann wenn der Sportler oder Verein eben noch nicht genug Reichweite besitzt, um Unternehmen für sich zu begeistern. Die Hürden sind geringer und bei Privatpersonen stecken auch meist andere Beweggründe dahinter.

Viele Spitzensportler denken: Wenn ich Sportler bin, mache ich Sport. Lieber trainere ich 10 Stunden am Tag, als mich um die lästige Medienarbeit zu kümmern.

Ob man will oder nicht, spielt hierbei keine Rolle. Das sind die Regeln, wie das Business funktioniert. Unternehmen werden deshalb selten alleine gegründet. Gründer-Teams ergänzen sich meist in den verschiedenen Kompetenzen. Der eine kann besser programmieren, der andere besser vermarkten.

„I think the NBA, for example, is a league where a lot of the athletes view themselves as entertainers or half-athletes, half-entertainers. The reason is simple: if you are a celebrity, you get the big bucks.“

Die Lösung 1: Helfer gewinnen,

Sind Sportler nicht Vermarkter in Person, müssen sie sich Helfer suchen, die am Ende vom gemeinsam erwirtschafteten Geld profitieren.

Die Lösung 2: Social Media

  • Social Media ist kostenlos und du kannst sofort loslegen
  • du kannst selbst als Nischensportler deine Nische erreichen (einfach mal Unterwasserhockey bei Instagram eingeben)
  • alle andere nutzen sie auch, scheint also nicht falsch zu sein
  • schon eine kleine Crowd kannst Du zum Crowdfunding nutzen und damit deine Anschubfinanzierung möglich machen

Die Lösung 3: Crowdfunding

Ohne Crowd kein Crowdfunding

Wer das erkannt hat weiß: Marketing gehört zu meinem Job. Ob ich will oder nicht.

Fazit: Am Ende wollen Athleten doch vor allem eins

Am Ende will jeder Sportler genau das, was nur Marketing ihm bringt: dass seine Leistung, für die man so hart trainiert hat, auch gesehen und anerkannt wird.

Autor: Marthe-Victoria Lorenz

Marthe ist Gründerin von fairplaid.org und kämpft für mehr Förderung des Breitensports. Sie ist leidenschaftliche Basketballerin und engagiert sich ehrenamtlich in ihrer Basketball-Abteilung des MTV Stuttgart 1843 e.V.


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