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So können Sportvereine Geld sparen und gleichzeitig die Welt retten.

Marthe-Victoria Lorenz | 18. Oktober 2015

Abschlusspfiff, Sachen gepackt und ab unter die Dusche. Dort wird gequatscht was das Zeug hält, bei einem Sieg schon mal ein Sekt geköpft und vor allem Wasser verbraucht. Viel Wasser. Wieso? Ist ja „kostenlos“. Denn anders als bei der eigenen Wohnung, bei der am Jahresende der große Brief mit Nachzahlung kommt, ist der Mitgliedsbeitrag im Sportverein eine Flatrate – Wasser und Strom, all inclusive.

Dieses Denken hatte auch ich. Nach dem Training habe ich lieber in der Halle als zu Hause geduscht. Ich wollte ja Kosten sparen. Zum Vergleich: 2008 war ich zeitgleich Kunder der Fitness-Kette McFit. 16,95€ kostete damals der monatliche Mitgliedsbeitrag (zum Vergleich: in meinem Verein zahle ich 8€ im Monat). Aber gerade weil die Studios so günstig waren, war es das Argument für die Studios zu sagen: duschen kostet. Genauer gesagt 50 Cent für 2 Minuten. Wenn man für jedes Duschen 50Cent bezahlt, dann überlegt man sich zweimal ob man nochmal eine münze nachwirft oder nicht. Ich zumindest hatte immer so schnell geduscht wie noch nie und auch nie nachgeworfen.

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20 Milliarden Kilowatt Strom werden jedes Jahr zuviel verbraucht

Hier brennt Licht in der Halle, da wird lange mit warmen Wasser geduscht, dort wird geheizt und der Rasen gesprenkelt. Bei 230.000 Sportstätten und 26 Millionen Vereinsmitgliedern summiert sich das. Auf 20 Milliarden Kilowatt Strom zuviel, das hat der DFB ausgerechnet. Mehr als Berlin und Köln zusammen im Jahr verbrauchten. Sechs Millionen Tonnen Klimagase könnten vermieden und – was wahrscheinlich für Viele noch mehr zählt – viel, viel Geld gespart werden.

  • Umstellung der Vereinskommunikation auf digitale Kanäle anstatt Brief und Papier (ich wurde immer per Brief daran erinnert, meine Studienbescheinigung einzureichen)
  • Ersetzung von konventioneller Beleuchtung durch energieeffiziente LED’s.
  • weniger Wasser verbrauchen in den Duschen (siehe McFit) und sich per Bonusregelung daran beteiligen lassen.

Besonders kreativ zeigt sich hier auch der DFB. Auf seiner Internetseite stellt er einen Ideenkatalog bereit mit knapp 90 Umweltschutzideen. Mit dabei:

  • einer Regenwasser-Zisterne zur Bewässerung des Spielfelds und zum Reinigen der Fußballschuhe
  • Einführung von Mehrweggeschirr
  • ressourcensparenden Rasenpflege.

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Kostenlose Öko-Checks von den Landessportbünden

Oftmals sind es aber auch größere Maßnahmen, die ergriffen werden müssen. Viele der rund 230.000 Sportstätten in Deutschland sind sanierungsbedürftig und haben dementsprechend einen hohen Energie- und Ressourcenverbrauch. Dieser könnte durch Maßnahmen wie Heizungserneuerung, Wärmedämmung oder die Nutzung von erneuerbaren Energien, wie beispielsweise Solaranlagen, gesenkt werden.

Einen „Öko-Check“ bieten viele Landessportbünde an. Hier prüft ein professioneller Berater sinnvolle Sanierungsmaßnahmen und stellt entsprechende Handlungsempfehlungen aus. Darüber hinaus werden auch dementsprechende Fördermittel angeboten. Eine Übersicht findest Du hier.

Die Finanzierung eines solchen Großprojektes ist selbstverständlich eine Herausforderung und oftmals eine Hürde. Mit viel Kreatitivät können kleinere und größere Vorhaben aber gedeckt werden, meist durch eine Mischung mehrerer Förderinstrumente z.B:

  • Veranstaltung von Benefiz-Events
  • Zuschauerbeitrag bei Sportevents zum Umweltschutz
  • Crowdinvesting über bettervest: Hier werden Energieprojekte über viele kleine Kreditgeber finanziert, der Gang zur Bank ist so nicht mehr notwendig. Mehr Informationen gibt es hier.
  • Crowdfunding über fairplaid.org: Hier geben viele Menschen einen kleinen Betrag, um z.B. ein größeres Umweltprojekt möglich zu machen. Mehr Informationen gibt es hier

 

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Klar ist: Umweltschützende Maßnahmen benötigen meist eine Investition im Voraus mit eben entsprechenden Gelder. Das können oder wollen viele Vereine nicht leisten. Dabei bedeutet Effizienzsteigerung und die Einsparung von Energie auf lange Sicht auch Geld sparen. Und jeder Euro, der nicht für Strom, Wasser oder Heizung ausgegeben wird, steht dem eigentlichen Zweck des Vereins zur Verfügung – dem Sport.

Danke an Tamara Schiek

Quellen:
https://www.dfb.de/sportstaettenumwelt/start/
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/215312/umfrage/gesamtmitgliederzahl-deutschersportvereine/
https://www.dfb.de/news/detail/saubere-sache-31527/p/2/
https://www.dfb.de/sportstaettenumwelt/start/
https://www.ehrenamt-im-sport.de/fileadmin/fm-ehrenamtimsport/Ehrenamt-im-Sport.de/Downloads/Rat_und_Tat/TOP2/2_21-Umweltschutz-im-Sportverein.pdf
https://www.dosb.de/de/sportentwicklung/sportstaetten-umwelt-und-klimaschutz/

Autor: Marthe-Victoria Lorenz

Marthe ist Gründerin von fairplaid.org und kämpft für mehr Förderung des Breitensports. Sie ist leidenschaftliche Basketballerin und engagiert sich ehrenamtlich in der Basketball-Abteilung von Türkiyemspor Berlin 1978 e.V. als Vorstandsmitglied sowie als Trainerin einer U12-Mädchenmannschaft.


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