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Von Recht und Gerechtigkeit im Dopingskandal: Folgen für die russischen Sportler

Dagmar Erhardt | 26. Juli 2016

olympische Flagge

Russlands Dopingfälle lösen eine internationale Debatte um Recht und Gerechtigkeit im Sport aus.

Der McLaren-Report spricht von 20 aus 28 Sommersportarten, in denen eindeutige Dopingfälle russischer Atheten bekannt geworden sind. Das Brisante: Die Vorfälle sollen der Regierung bewusst gewesen sein; in der Vergangenheit (Winterspiele in Sotschi) hatte offenbar sogar der Geheimdienst bei der Verschleierung, konkret, dem Verschwinden von über 100 Dopingproben in Zusammenarbeit mit dem Chef des Moskauer Doping-Kontrolllabors, geholfen. Der Dopingskandal wurde ausgelöst von dem Whistleblower -Ehepaar Julija und Vitali Stepanov, Sie eine russische Top-Athletin, Er Mitglied der russischen Antidopingorganisation RUSADA. Nachdem Julija über zwei Jahre unter großem Risiko eindeutige Aufnahmen von Gesprächen zwischen Politikern und Ärzten angefertigt hatte, entschieden sie sich, an die internationale Öffentlichkeit zu gehen.

„Härteste Maßnahmen“

 

Das Internationale Olympische Komitee (IOC)  kündigte härteste Maßnahmen an. Seit vorgestern steht jedoch fest: Die Russen dürfen starten. Mit einem geschrumpften Team zwar, und nur, wenn einem Sportler Doping nie nachgewiesen wurde. Die Leichtathleten sind als einzige vollkommen ausgeschlossen. Entlastend sind nur internationale Tests außerhalb Russlands, auch die vor langer Zeit gedopte Julija Stepanov wird nicht starten dürfen. Putin bemüht sich indes, immer wieder zu kommunizieren, wie wichtig Russland saubere Athleten sind, betont die enge Zusammenarbeit mit dem IOC und gab dem russischen Nationalen Olympischen Komitee auf, eine unabhängige Dopingkommission einzurichten.

Mit der „engen Zusammenarbeit“ ist sicher auch die Freundschaft zwischen Putin und IOC-Präsident Bach gemeint, aus der dieser nie ein Geheimnis machte und die zur einen oder anderen Entscheidung beigetragen haben dürfte.

„Die Entscheidung wird sicher nicht jedem gefallen, aber es geht um Gerechtigkeit. Die Entscheidung respektiert das Recht eines jeden sauberen Athleten auf der ganzen Welt. Ich muss den Athleten in die Augen schauen können, die von unserer Entscheidung betroffen sind.“
IOC-Präsident Thomas Bach

Was für Viele eine Verbeugung vor Russland und eine vertane Chance der IOC bedeutet, endlich ein klares Zeichen gegen Doping im Sport zu setzen, ist für Bach ein sinnvoller Kompromiss.

„Die Botschaft ist eindeutig. Es wird eine Gesamtverantwortung angenommen angesichts der üblen Anschuldigungen, aber es soll auch eine Ermutigung für alle sauberen Athleten sein.“
IOC-Präsident Thomas Bach

Die Entscheidung des IOC bedeutet nicht zuletzt auch eine Abwälzung der Verantwortlichkeiten auf die Fachverbände der 28 olympischen Sommersportarten, die nun darüber beraten müssen, wer starten darf. Als erster Fachverband schloss der Schwimm-Weltverband FINA gestern sieben russische Sportler aus.

Wie recht ist ein genereller Ausschluss?

 

Seit gestern ist jedoch klar, dass es eine Diskussion um die Rechtmäßigkeit einer solchen Entscheidung geben wird. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte 2008 die vom IOC auf den Weg gebrachte Osaka-Regel für ungültig erklärt, nach der Athleten nach einer mehr als sechsmonatigen Dopingsperre nicht an den nächsten Olympischen Spielen hätten teilnehmen dürfen. Ebenfalls problematisch ist der Fokus auf Russland, der Dopingfälle aus anderen Ländern außer Acht lässt.

Der frühere russische Frauentrainer Wolfgang Pichler hält ein absolut übergreifendes staatliches Dopingsystem für unmöglich. Er erzählt jedoch von „Konkurrenzgruppen“ und dass offenbar auch an Verbänden vorbei Sportler aufgebaut wurden – im Auftrag des Sportministeriums – für den Erfolg auf internationalen Turnieren, besonders Heimspielen.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) ist enttäuscht. Für WADA-Chef Craig Reedie habe der McLaren-Report „jenseits aller Zweifel ein staatlich gestütztes Doping-Programm in Russland dargelegt, das die Prinzipien eines sauberen Sports im Einklang mit dem WADA-Code ernsthaft untergräbt“. Ebenfalls besorgt äußerte man sich zum Startverbot von Julija Stepanov. Ihr großer Mut werde auf diese Weise bestraft und ihr Beispiel könnte abschreckend wirken.

Allein das Schicksal der Stepanovs wirkt ja an sich schon traurig genug: Sie mussten ihre Heimat verlassen, leben versteckt und erhalten täglich Bedrohungen und Beleidigungen.

Was haltet ihr von den Entscheidungen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

 

 

Verlinkte Artikel zum Thema:

https://www.krone.at/Sport-Mix/Doping_in_Russland_IOC_will_haerteste_Sanktionen-Finsteres_Treiben-Story-520558

https://www.sport.de/news/ne2338060/prokop-generelles-rio-verbot-rechtswidrig/

https://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/doping/warum-trifft-olympia-ausschluss-nur-russlands-leichtathletik-14295570.html

https://www.handelsblatt.com/sport/sonstige-sportarten/sportwelt-schockiert-doping-bei-russischen-biathleten/11074892-2.html

https://www.spiegel.de/sport/sonst/olympia-in-rio-wada-reagiert-enttaeuscht-auf-ioc-beschluss-zu-russland-a-1104510.html

https://www.dosb.de/de/leistungssport/spitzensport-news/detail/news/spendenaufruf_fuer_yuliya_und_vitaly_stepanov/

Autor: Dagmar Erhardt

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