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Diese Sportlerin verdient 70 Mio. – mit einer PDF

Marthe-Victoria Lorenz | 29. September 2015

Liebe Vereine, ihr müsst jetzt ganz stark sein. Denn diese 23-jährige Frau macht mit einem PDF-Dokument mehr Einnahmen, als höchstwahrscheinlich alle Vereine und Sportler in Baden-Württemberg zusammen. Alles was sie dafür tun musste. Ein 12-wöchiges Fitness-Programm aufsetzen und als PDF per E-Mail versenden. Ein Modell v.a. für kleinere Vereine, die sich das vereinseigene Fitness-Studio nicht leisten können? Oder eine gewinnbringende Ergänzung für große Vereine, die zwar alle Ressourcen offline zur Verfügung haben und diese nun auch online nutzen können?

Ihr Geheimrezept : simpel. Sie postet einfache Vorher-Nachher-Bilder, die von ihren Kundinnen selbst kommen oder einfach mit #bbg vertaggt werden. Zu Beginn nahm sie Kundinnen, die sie noch persönlich als Personal-Trainerin betreute. Jetzt senden ihr ihre Follower Bilder zu oder vertaggen diese einfach mit #bbg (Bikini Body Guide).


Ihre Kundinnen machen so für ihre Guides Werbung, ohne dass sie sich selbst um Inhalte, Grafik oder sonstiges kümmern zu müssen und das Ganze kostet sie zudem keinen Cent (Zeit ausgenommen). Dennoch schafft sie gegenüber Imagekampagnen das, was viele wollen: eine hohe Glaubwürdigkeit und unzählige Erfolgsbeispiele von normalen Menschen die öffentlich zeigen, dass es funktioniert. Denn mit muskelbepackten Trainern, die in einer DVD oder beim Workout im Studio bei selbst den anstrengensten Übungen noch ein kraftvolles Lächeln entgegenbringen kann sich im Normalfall keiner identifizieren. Zu groß ist die Entfernung zum eigenen Erscheinungsbild, zu weit weg das Endergebnis. So aber zeigen einem Frauen von nebenan, die Sekretärin, die Managerin, die Ärztin, die Mutter, dass sie es geschafft haben, und du es auch schaffen kannst. kayla1 Das Ergebnis: Ihrem Instagram-Profil folgen mehr als 3 Millionen meist weibliche Anhängerinnen. Bei der Suche nach ihrem Hashtag #bbg (Bikini Body Guide) kann man sich einen von 1.626.726 Suchergebnisse (Stand 29.9.2015) aussuchen. Doch noch schwindeliger wird einem, wenn man sich die Verkaufszahlen ansieht, die sie damit erreichen konnte. 1 Millionen Mal verkaufte sich ihre Datei, ein Exemplar kostet 70 Dollar. Mindestens 70 Millionen Dollar hat sie demnach schon eingenommen. Merchandising-Produkte und Sponsoring-Verträge noch nicht mit eingerechnet. Ohne Geräte. Ohne Räumlichkeiten. Ohne großes Startkapital. kayla_itsines Auch aus Deutschland gibt es ein ähnliches Beispiel. Drei junge Studenten aus München haben schon 2012 mit drei PDF-Guides innerhalb von wenigen Stunden soviel verdient, dass sie ihr eigenes Produkt – eine App – ohne fremdes Geld von einer Bank oder einem Investor finanzieren konnten. Essentiell für den Erfolg ihres Produktes war der durchaus zeitaufwendige Aufbau einer Community. Pro 15-Wochen-Guide werden 40€ fällig, ich bin mir aber sicher, dass es zukünftig auch monatlicheBeiträge geben wird. Ein Mitgliedsbeitrag also. Das Erfolgsrezept der Jungs: “Wir wollten eben ein Fitnesskonzept, das an die Bedürfnisse des 21. Jahrhunderts angepasst ist. Viele Menschen haben nicht mehr die Zeit, zweimal die Woche zum Sportverein oder ins Fitnessstudio zu fahren. Mit dem Programm können sie mit wenig Zeitaufwand das Maximale rausholen, denn unsere Übungen sind sehr effektiv, und trainieren kann man überall. ”

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Deswegen nutzt die App für ihre Übungen auch nur das eigene Körpergewicht und facebook-Gruppen als Motivationsgrundlage. Sie sind dort, wo auch ihre Kunden sind: in den sozialen Netzwerken, auf dem Smartphone. Auch hier kann sich das Ergebnis sehen lassen.   Innerhalb von nur zwei Jahren haben drei Studenten ein millionenschweres Unternehmen aufgebaut. Wer Freeletics bei facebook in der Suche eingibt, wird in so gut wie jeder Stadt fündig. Überall verabreden sich dort Menschen zum gemeinsamen Trainieren draußen – häufig auch auf Vereinsgeländen.   Zeit also sich also darüber Gedanken zu machen, wie Sportvereine – mit oder ohne eigenem Fitness-Studio – diese Menschen wieder für sich gewinnen und an dem Trend teilhaben und profitieren können.

Jeder Sportverein kann sein eigenes Fitness-Studio haben – egal in welcher Größenordnung

Der große Vorteil dieses Geschäftsmodells für Vereine: Es werden weder Räumlichkeiten oder Geräte benötigt. Um zu testen, ob so etwas auch für den eigenen Verein, muss also nicht viel Geld in die Hand genommen werden. Im Gegenteil. Da die Kosten so derart niedrig sind, kann die Gewinnspanne im Verhältnis zu einem Fitness-Studio immens vergrößert werden. Es löst auch das Problem, dass z.B. nicht jedes Mitglied in der Nähe des vereinseigenen Fitness-Studios wohnt oder beruflich viel unterwegs ist und damit das Angebot des Vereins nicht nutzen kann. Aber abgesehen von den Mitgliedern können mit diesem Produkt nicht nur Mitglieder erreicht werden. Durchgeführt wie bei Kayla Itsines wäre diese PDF gleichzeitige eine Werbe-Kampagne für den eigenen Verein. Als Botschafter könnten zu Beginn die eigenen Seniorenteams herangezogen werden, die das Produkt so in die eigenen sozialen Netzwerke tragen.

Schauen wir uns einmal genauer was Kayla Itsines benötigte, um diesen Erfolg möglich zu machen:

  • Ahnung von Fitness mit Körpergewicht (mit eigenem Fitness-Personal oder in Zusammenarbeit mit einem Personal-Trainer umsetzbar)
  • Ein Plan (z.B. 12-Wochen, 15-Wochen oder etwas Ähnliches)
  • Texte, Bilder, die die Übungen beschreiben (nicht einmal unbedingt Video notwendig)
  • kostenlos zur Verfügung stehende Soziale Netzwerke ( hier vor allem: Instagram, facebook)
  • Zeit
  • Testimonials, die den Fortschritt zeigen (Mitglieder, Spieler der eigenen Senioren-Teams)

Wie einfach ein Workout produziert werden kann, sehen wir hier. Die Übungen werden ganz einfach zusammengeschnitten. Derlei Ergebnisse können sogar leicht mit dem Windows Movie Maker erzielt werden:

 

Der Vorteil, denn Sportvereine liefern können. Sie bedienen viele Nischen und können Fitnesskonzepte z.B. auf die Bedürfnisse von Basketballern, Fußballern oder Leichtathleten anpassen. Nischen, die die Konzepte von Kayla und Freeletics noch nicht bedienen.

 

Ein Tipp vom Freeletics-Gründerteam: “Seid Euch nicht zu scheu, unperfekte Produkte auf den Markt zu bringen“, schreibt Joshua Cornelius im Rückblick auf diesen Schritt. „Unsere ersten bezahlbaren Freeletics-Produkte waren PDF-Trainingspläne. Runtergeschrieben an 3 Tagen. Angeboten mit einem Standard-SaaS-Shopsystem. Wir waren alles andere als stolz darauf.“

Autor: Marthe-Victoria Lorenz

Marthe ist Gründerin von fairplaid.org und kämpft für mehr Förderung des Breitensports. Sie ist leidenschaftliche Basketballerin und engagiert sich ehrenamtlich in der Basketball-Abteilung von Türkiyemspor Berlin 1978 e.V. als Vorstandsmitglied sowie als Trainerin einer U12-Mädchenmannschaft.


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