Zurück zur Startseite

5 große Fehler, die Du besser NICHT bei Deinem Crowdfunding-Projekt tun solltest

Marthe-Victoria Lorenz | 29. Mai 2018

„Hätte ich DAS mal vorher gewusst!”

Um die Einleitung ganz kurz zu machen: Diese Reaktion will ich euch ersparen und deswegen habe ich euch hier die 5 größten Fehler, die bei einer Crowdfunding-Aktion passieren können, zusammengefasst. Die Inhalte habe ich entweder bitter selbst erfahren müssen (ich habe bisher drei Crowdfunding-Projekte selbst gestartet) oder bei unseren Projektstartern miterlebt.

Fehler 1: Vergiss Dein engstes Umfeld nicht

Als wir unser erstes Crowdfunding-Projekt starteten wussten alle Bescheid – außer der eigene Vorstand und die eigenen Mitglieder. Wir zwei aus dem Vorstand hatten das beschlossen und vergessen, unser engstes Netzwerk einzubinden, einfach weil es so selbstverständlich für uns war, dass diese mitziehen würden.

Das Ergebnis: Eigentlich hat sich keiner für das Projekt interessiert. Schließlich wussten sie nicht, wieso, weshalb, warum sie das Projekt überhaupt unterstützen sollten. Auch haben wir die emotionale Bindung überschätzt, die innerhalb der Abteilung und der Mannschaften bestand. Wenn die eigenen Mitglieder nicht hinter dem Projekt stehen und es nicht mittragen, ist das Projekt fast schon zum Scheitern verurteilt.

Unser Fazit: Binde Dein engstes Umfeld schon in der Vorbereitung in das Projekt mit ein und stelle sicher, dass jeder von der Idee überzeugt ist. Sollen wir dies tun? Hat jemand Ideen für Prämien? Kennt jemand jemanden, der uns bei der Bewerbung helfen kann? Je mehr emotionale Bindung die Menschen zum Projekt haben, desto mehr ziehen diese mit und werden zum weiteren Multiplikator.

Fehler 2: Aktivieren, ohne einen Plan zu haben

Ein Unternehmer erzählte mir einmal von einem seiner Praktika: “Ich musste viele kleine Teilchen zusammenschweißen. Der ganze Raum war voll, mein Meister rechnete damit, dass ich eine ganze Woche lang daran sitzen würde. Ich habe daraufhin einen halben Tag gar nichts geschweißt, sondern die Zeit investiert, eine kleine Maschine zu bauen, mit der ich 10 Teilchen gleichzeitig schweißen konnte. Nach zwei Tagen war ich dann fertig.”

Viele unserer Projektstarter starten ein Crowdfunding-Projekt erstmal und überlegen sich dann, wie sie das Projekt bewerben wollen und fangen dann auch erst mit der Bewerbung an. Das Projekt ist dann aber online und öffentlich und dümpelt in den ersten Tagen so erstmal vor sich hin. Ein Fehler! Denn die ersten Tage sind essentiell in einer Crowdfunding-Kampagne. Schon nach wenigen Tagen zählt nicht nur, was ihr für ein tolles Projekt habt, sondern viel mehr, wie viele das Projekt schon unterstützt haben.

Fazit: Die Spannungskurve eines Projekts muss schon vor dem eigentlichen Projektstart hochgefahren werden – zunächst mit der Einbindung des eigenen Umfelds und dann nach außen hin z.B. mit einem öffentlichen Countdown. Der erste Höhepunkt wird mit der Aktivierung des Projekts erreicht.

Bei der weiteren Kommunikationsplanung könnt ihr auch auf einige Internet-Tools zurückgreifen. Buffer z.B. lässt euch eure Social-Media-Posts planen, die dann automatisch zu den angegebenen Zeitpunkten versendet werden – ohne dass ihr auch nur einen Gedanken daran verschwenden müsst.

Fehler 3: Selbstüberschätzung

“Wir haben eine große Community, das klappt auf jeden Fall!” “Wir haben nächste Woche einen Beitrag im Fernsehen, alles kein Problem.” Haben wir alles schon gehört, nur um die Projekte am Ende scheitern zu sehen.

Die Überschätzung sehen wir nicht nur in der Summe, die finanziert werden soll. Wenn wir mal ehrlich sind, wird Dir wahrscheinlich kein Unterstützer 80.000€ geben, um einen Triathlon in Übersee zu machen. Sei realistisch und kalkuliere genau und transparent. Wie viel Geld benötige ich und habe ich die notwendigen Ressourcen (Zeit zur Vorbereitung und Bewerbung, Community, die schon dahinter steht, Kontakte zu Presse oder Multiplikatoren, Menschen, die mir helfen), um diese Summe zu sammeln. Wenn nein, kann ich das Projekt gegebenenfalls mit weniger wuppen (jedes Projekt kann überfinanziert werden!). Oder habe ich die Zeit, um mir eine Community noch im Vornhinein aufzubauen?

Auch bei den Prämien neigen die Projektstarter zur Überschätzung. Stelle Dir die Frage deshalb auch selbst: Würdest Du für eine Autogrammkarte eines unbekannten Sportlers 30€ ausgeben? Oder 50€ für ein T-Shirt? Wie siehts mit einer Trainingsstunde für 100€ aus? Auch nicht? Sei realistisch und frage vorsichtshalber in Deinem Bekanntenkreis: Würdest Du diesen Preis für diese Leistung bezahlen? Wofür würden die Menschen Dir realistischerweise Geld geben, auch wenn sie Dich oder Deinen Verein gar nicht kennen? Was ist so eine tolle Prämie, dass sie wirklich jeder haben will?

Fehler 4: Einfach laufen lassen

Auch wenn ich jetzt viele Leser enttäuschen muss: die Plattform, auf der man ein Projekt online stellt und das Geld dann von alleine fließt, gibt es nicht und ich wage jetzt eine Zukunftsaussicht: Wird es auch niemals geben. Wenn fairplaid.org diese Plattform wäre, würde ich auch nicht mehr für Euch schreiben, sondern sicherlich an einem Strand auf den Bahamas liegen und Cocktails schlürfen. Crowdfunding ist kein Selbstläufer.

Es gibt viele Erfolgsfaktoren beim Crowdfunding, aber der aus meiner Sicht größte Faktor ist dieser: Herz! Wenn Du mit vollem Herzen dahinter stehst und Dich voll dafür engagierst, wirst Du es schaffen! Zeige den Menschen nicht nur “WAS” du tust, sondern auch “WIESO”.

Wir helfen euch, wo es geht, aber jeder ist seines Glückes Schmied. Menschen für Dein Projekt zu begeistern liegt an Dir!

Fehler 5: Bettele nicht, sondern schaffe Mehrwerte

Oder auch:„Don’t make the people give you money, let them!“ (Amanda Palmer)
Crowdfunding ist GEBEN und NEHMEN. Du bietest den Menschen die Chance auf eine ganz exklusive Gegenleistung für ihre Unterstützung. Sie können Teil eines unterstützenswerten Projektes oder Vereins in ihrer Kommune sein – erinnert euch immer daran! Ihr seid etwas wert, zeigt dies.

Während der Laufzeit wirst Du Deine Nachricht häufig wiederholen müssen, denn wie auch in der Werbung handeln viele Menschen erst, wenn sie 3x von etwas gehört haben. Damit dies nicht nervig wird, finde immer wieder unterschiedliche Wege, um Deine Aktion zu verbreiten. Poste immer wieder eine andere Prämie, die du bereit stellst, ein lustiges Bild oder Video von Dir oder Deinem Team.

DESHALB SOLLTEST DU DIESE FEHLER NICHT MEHR MACHEN:

Nach dem Projekt ist vor dem Projekt: Eine Crowdfunding-Kampagne ist eine Chance, nicht nur Gelder zu sammeln, sondern eine Community aufzubauen. Richtig durchgeführt habt ihr die Gelegenheit, etwas Großes aus dieser Kampagne zu machen, neue Helfer zu finden, neue Fans zu gewinnen und schlussendlich an den Verein zu binden.

Was wir beginnen, schaffen wir! Eine professionell und vor allem erfolgreich durchgeführte Kampagne ist ein Zeichen für Mitglieder, Fans aber auch und im Besonderen für Eure Sponsoren. Ihr zeigt so, dass ihr nicht nur innovativ, modern und offen für Neues seid, sondern auch, dass ihr dies zudem erfolgreich tut. Weg vom “gib mal gefälligst Geld, wir sind ein armer Verein” hin zum Schaffen von Mehrwerten für alle Beteiligten. Potentielle Sponsoren erkennen so das Potenzial, dass hinter dem Verein steht, sei es anhand der Anzahl der Unterstützer oder weil sie durch die großen Außenwirkung der Kampagne erst von Euch erfahren haben.

Autor: Marthe-Victoria Lorenz

Marthe ist Gründerin von fairplaid.org und kämpft für mehr Förderung des Breitensports. Sie ist leidenschaftliche Basketballerin und engagiert sich ehrenamtlich in ihrer Basketball-Abteilung des MTV Stuttgart 1843 e.V.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.