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Flüchtlingskrise: Erst verlieren Vereine ihre Gemeinnützigkeit – dann doch nicht?

Vanessa Groh | 16. November 2015

Vor zwei Wochen gingen die ersten Mahnungen vom Finanzamt raus: Weil Vereine sich für die Flüchtlingshilfe engagieren, können sie nun eventuell ihren Status der Gemeinnützigkeit verlieren. Mit Verlust der Gemeinnützigkeit müssten die Vereine u.a. auf wichtige Steuervergünstigungen verzichten, ohne die viele langfristig nicht bestehen würden. Das Problem: grundsätzlich dürften Vereinsmitglieder nur die Leistungen ihres Vereins in Anspruch nehmen, wenn sie hierfür einen Beitrag entrichten. Wenn Flüchtlinge kostenfrei mittrainieren, würde das somit gegen das Vereinsrecht verstoßen. Ausnahmen sind möglich, müssen jedoch ausdrücklich in der Satzung genannt werden. Da viele Flüchtlinge noch nicht vollständig registriert sind, können sie allerdings auch nicht in den Verein aufgenommen werden.

Flüchtlingskrise

Letzte Woche kam die Erleichterung: Das Engagement der Vereine in der Flüchtlingshilfe gefährdet nicht die Gemeinnützigkeit. „Zwar müsse die Verwendung von Geldmitteln oder geldwerten Leistungen für sogenannte „mildtätige Zwecke“ grundsätzlich aufgeführt sein, in der augenblicklichen Situation seien Ausnahmen jedoch gerechtfertigt“. Sportvereine können ohne Gefährdung ihrer Gemeinnützigkeit Spenden für Flüchtlinge sammeln und diese an zuständige Behörden oder Hilfsorganisationen weiterleiten. Und auch dass Flüchtlinge kostenlos mittrainieren, sei kein Problem. Dieses Angebot könnte gleichgesetzt werden mit den kostenlos durchgeführten „Schnupperangeboten“  und dient somit dem Ziel der Mitgliedergewinnung. Das offizielle Statement vom DOSB gibt es hier.

 „Der Einsatz der Flüchtlinge ist gut und richtig und kann keine negativen Konsequenzen für die steuerliche Gemeinnützigkeit haben.“
-Finanzsenator Kollatz-Ahnen

Das Vorgehen der Finanzämter stieß bei vielen auf Unverständnis. Gerade für die jugendlichen Flüchtlinge schafft Sport die nötige Ablenkung vom tristen Alltag und eine Möglichkeit ihrer aktuellen Situation kurz zu entfliehen. Des Weiteren stellen zahlreiche Vereine ihre Hallen zur Verfügung um die Flüchtlinge unterzubringen.

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Doch genau das könnte zukünftig zum Problem werden. Immer mehr abgesagte Ligaspiele und weniger und ungünstige Trainingszeiten führen zu schlechter Stimmung.  In manchen Vereinen seien aus diesem Grund in den vergangenen Monaten bis zu 30 Prozent der Mitglieder ausgetreten.

Alfons Hörman, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) möchte verhindern, dass die „traditionelle Willkommenskultur des Sports und die Akzeptanz bei den Mitgliedern sowie den Ehrenamtlichen immer mehr schwindet“.

1000 Hallen werden bundesweit mit Flüchtlingen belegt. Bis Ende des Jahres sind 1500 prognostiziert. Ca. 1/5 der rund 90.000 Vereine hätten in den vergangenen Monaten Integrationsmaßnahmen umgesetzt. Aktuell erhält der Sport von der Politik umgerechnet einen Euro pro Flüchtling. Vollkommen zurecht wünscht sich Hörmann aus diesem Grund  mehr Unterstützung Seitens der Politik. Um den Ansturm an Flüchtlingen gerecht zu werden, muss Sport und Politik zusammenarbeiten.

Denn:

WO BEKOMMEN WIR INTEGRATION BESSER, NACHHALTIGER, PREISGÜNSTIGER HIN ALS ÜBER UNSERE SPORTVEREINE?

Beispielsweise das vom Verein Goitsche Sport ins Leben gerufene Programm „Laufen und Lernen – Training und Ausbildung“ beweist: durch Sport lässt sich Integration und Weiterbildung vereinen. Peter Junge rief Anfang des Jahres zum gemeinsamen Training auf und so nahm alles seinen Lauf. Dank Ihm nehmen mittlerweile 20 Flüchtlinge regelmäßig am Training teil. Und auch für die Zukunft hat der 71-jährige noch einiges geplant. Im Mai 2016 soll ein Integrationssportfest in Bittenfeld stattfinden. Nähere Informationen zur Flüchtlingsarbeit des Vereins gibt es hier.

 

Quellen:

https://www.dosb.de/de/sportentwicklung/sportentwicklungs-news/detail/news/dosb_informiert_sportverbaende_fluechtlingshilfe_gefaehrdet_nicht_die_gemeinnuetzigkeit/

https://www.morgenpost.de/berlin/article206564477/Hilfe-fuer-Fluechtlinge-Vereinen-droht-Aerger-mit-Finanzamt.html

https://www.swp.de/ulm/sport/sonstige/Sportpolitik-Migration-Fluechtlinge-Stimmungswandel-Sporthalle-Ligaspiel-Trainingszeit-Fluechtlingsproblem-Fluechtling-Verein-Stich;art1157854,3520100

https://www.berlin.de/sen/finanzen/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung.401534.php

Autor: Vanessa Groh

Vanessa studierte an der deutschen Sporthochschule in Köln Sportmanagement und -kommunikation und konnte dort bereits mit der Marketing-Abteilung des 1.FC Köln, sowie der Sportscheck Filiale Standort Köln zusammenarbeiten. Mittlerweile ist Sie verantwortlich für das Social-Media-Management von fairplaid.


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