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VW-Affäre: Warum man lieber nicht von einem Sponsor abhängig sein sollte

Vanessa Groh | 19. Oktober 2015

UPDATE 22.11.2015:
Wie in den Medien (BAMS, Welt, Zeit.de) bekannt wurde, soll es bereits eine Streichliste geben. Auf der Liste stünden die Fußball-Bundesligisten Hannover 96, Werder Bremen und Schalke 04 sowie Zweitligist 1860 München, berichtete die BAMS vorab. Besonders betroffen wären aber die Grizzlys aus Wolfsburg, die ca. 5 Millionen Euro von VW erhalten. „Ein Komplett-Ausstieg würde das DEL-Aus bedeuten“, sagte Fliegauf, dessen Vertrag ausläuft. Erst wenn es eine VW-Entscheidung gibt, kann auch über die Zukunft des Managers entschieden werden berichtet ndr.de.

 

VW gehört zu den mächtigsten Sponsoren im deutschen Fußball. Der Konzern engagiert sich zur Zeit bei über 17 Vereinen. Allein der VfL Wolfsburg erhält schätzungsweise 80 Mio. Euro im Jahr.

Aber: Die Abgasaffäre wird den Autobauer wohl einiges kosten. Ein guter Grund, um aktuelle Sponsoring-Maßnahmen unter die Lupe zu nehmen. Matthias Müller, der Vorstandsvorsitzende der AG, erklärte nun auf einer Betriebsversammlung: „Was nicht zwingend notwendig ist, wird gestrichen oder geschoben“.

Das die Unterstützungen zu großen Clubs wie dem VfL oder Bayern München (mit VW-Tochter Audi ist man mit ca.8% an der Profiabteilung des FCB beteiligt) gekürzt werden ist zwar unwahrscheinlich, aber bei kleineren Engagements durchaus denkbar. Die Affäre trifft also nicht nur Volkswagen selbst, sondern auch die Vereine, die bisher auf VW als Sponsor gesetzt haben.

In seinem Handelsblatt Artikel schlussfolgert Christoph Metzelder „Das kommunikative Territorium Fußball wird für andere Automarken wieder eröffnet.“ Zu seinem Artikel kommt ihr  hier.

Wieso einer, wenn Du Viele haben kannst.

Wer bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Sponsors nicht gleich das Zeitliche segnen möchtet, sollte auf Vielfalt legen und sich ein breitgefächertes Sponsoring-Portfolio zulegen. Fällt einer weg, kann die Lücke besser geschlossen werden.

Diese Vorgehensweise hilft auch bei Verhandlungen. Denn wer nicht unbedingt auf das Sponsoring angewiesen ist oder zumindest so erscheint, hat bei den Verhandlungen die besseren Karten. Eleftherios Hatziioannou von der Firma smoope, ist zwar kein Verein. Aber er hatte nur ein Vier-Mann-Unternehmen, als er mit dem Hightech-Gründerfonds über ein Investment von 500.000€ verhandelte. Er, der kleine Fisch, auf der anderen Seite der große Fonds mit vielen Anwälten. Sein Resumée: „Du musst Dir denken: Hey, ihr erhaltet von mir etwas, das ist eine Chance für Euch. Und Du musst bereit sein, den Tisch zu verlassen, wenn Dir die Konditionen nicht fair erscheinen. Andernfalls wirst Du immer in der Bittsteller-Roller sein.“

Wer weiß, dass er im Zweifelsfall auf den Sponsor verzichten kann, kann im Fall der Fälle auch bessere Konditionen verhandeln.

Sponsorbalken

Hilfreich kann hier auch die wahrscheinlich bekannte Sponsoring-Pyramide sein, die mehrere Ebenen umfasst und ein Angebot für jedes Budget bereit hält, ähnlich wie die Prämienstaffelung in einem Crowdfunding-Projekt. Während der Hauptsponsor beispielsweise für 40.000€ als Namensgeber für ein Turnier und groß auf dem Trikot präsentiert wird, erhält der Businesspartner für 3.500€ einen Platz auf der Bande und wird auf der Homepage und im Saisonheft genannt.

pyramide (2)

Auch Crowdfunding setzt auf dieses Prinzip der Staffelung. Viele Förderer für ein Projekt, die Abhängigkeit von einer Person oder einem Unternehmen entfällt so. Vielmehr war die Unabhängigkeit von Firmen und Institutionen die Ursache für die Entstehung von Crowdfunding. Bands wollten unabhängig von Musikverleihfirmen werden, Kreditnehmer unabhängig von der Zusage einzelner Banken, Firmen unabhängig von einzelnen Investoren und Vereine von einzelnen Sponsoren. Und wer die Macht der Masse zu nutzen weiß nutzt, kann sich andersrum Sponsoren aussuchen. Dann nämlich wenn sie bei einem anklingeln und nicht andersrum.

Autor: Vanessa Groh

Vanessa studierte an der deutschen Sporthochschule in Köln Sportmanagement und -kommunikation und konnte dort bereits mit der Marketing-Abteilung des 1.FC Köln, sowie der Sportscheck Filiale Standort Köln zusammenarbeiten. Mittlerweile ist Sie verantwortlich für das Social-Media-Management von fairplaid.


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