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Denise Krebs: “Als hätte ich bei ‚Wer wird Millionär‘ gewonnen“

Max Martens | 26. Mai 2020

Denise Krebs war bereit. Vier Jahre Vorbereitung sollten im Höhepunkt ihrer Karriere münden: die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Doch dann kam das Corona-Virus und die Verschiebung der Spiele. Krebs stand vor der Frage: aufhören oder weitermachen?

Die Mittel- und Langstreckenläuferin hatte einmal den Kaderstatus im Deutschen Leichtathletikverband (DLV) inne und die Betonung liegt auf „hatte“. Daher musste sie schon die Vorbereitung für 2020 zu 100 Prozent alleine finanzieren. Die Entscheidung, die Olympischen Spiele in Tokio zu verschieben, reißt einem da den Boden unter den Laufschuhen weg. Weil ihr aktueller Arbeitsvertrag im August ausläuft, geriet eine erneute Selbstfinanzierung in unsichere Gewässer. Um den Kurs dennoch zu stabilisieren und Fahrt auf Tokio 2021 zu nehmen, startete Denise Krebs eine Sportcrowdfunding-Kampagne in der Toyota-Crowd: “Aufgeben ist keine Option!”.

Projektverlauf

“Es lief alles nach Plan, doch dann kam Corona. Es wird mein letzter Versuch sein”, schreibt Denise Krebs auf ihrer Projektseite. Eigentlich wollte sie nach den Spielen 2020 ihre Karriere beenden. Seit sie klein war, träumt das Drillingskind von einer Teilnahme bei Olympia und versprach es damals sogar ihrem Vater. 2012 und 2016 verpasste sie den Startplatz denkbar knapp. 2012 nur um 1/100-Sekunde. “Zwei Mal stand ich alleine da, diesmal trifft es die ganze Welt”, wird Krebs in der Heilbronner Zeitung Stimme zitiert. Auch das lokale Blatt echo24 und das Portal Sportfrauen.net berichteten über das Projekt der Leichtathletin.

Die erste Hürde der Olympia-Vorbereitung war somit ein Rennen über 8.000€. Drei Wochen hatte Krebs dafür Zeit. Neben klassischen Sponsoringpaketen wie Logo-Platzierungen gab es auch ein gemeinsames Laufen oder die Sportschuhe, in denen sie ihre Bestzeit über 800 und 1.500 Meter gelaufen ist. Besonders beliebt war die originale Sportbekleidung, in der Denise Krebs für Deutschland bei Wettkämpfen an den Start ging. Knapp 20 Mal war dies bereits der Fall. Sie stand im Finale bei Europameisterschaften und gewann mehrere Deutsche Meisterschaften.

Anfängliche Skepsis wandelt sich in große Freude

“Ich hatte gehadert das Projekt überhaupt zu starten. Wir Sportler trainieren so hart, um unsere Ziele zu erreichen. Oft haben wir das Gefühl, dass wir alleine sind und der Leistungssport keinen Stellenwert mehr in unserer Gesellschaft hat. Das Projekt hat mir das Gegenteil bewiesen”, sagte Krebs gegenüber Sportfrauen.net. Am Anfang habe sie daran gezweifelt, ob überhaupt jemand für ihre Sportcrowdfunding-Kampagne spenden würde. Doch bereits acht Tage vor dem Zieleinlauf war die erforderliche Summe erreicht. Denise Krebs fühlte sich “als hätte ich bei ‚Wer wird Millionär‘ gewonnen“ (echo24).

Und auch in den verbliebenen Tagen wurde noch ordentlich Strecke gemacht. 137 Unterstützer sorgten für eine Summe von 12.111€ und somit knapp 50% mehr als die studierte Journalistin erhofft hatte. Der Toyota-Fördertopf stellte dabei 1.900€ zur Verfügung. Mit dem Geld will Krebs nun vier Trainingslager in über 2.000 Höhenmeter finanzieren. “Mit einem Höhentrainingslager wird die Transportkapazität von Sauerstoff durch die Vermehrung von roten Blutkörperchen erhöht, sodass damit die Ausdauerleistung verbessert werden kann”, erklärt sie auf der Projektseite.

Das virtuelle Qualifikationsrennen für Tokio 2021 ist erfolgreich beendet. Jetzt kann Denise Krebs mit Rückenwind die echte Qualifikation in Angriff nehmen; und hoffentlich das Versprechen bei ihrem Vater einlösen.

Was du vom Projekt von Denise Krebs für deine nächste Crowdfunding-Aktion lernen kannst:

  • Lass dich von anfänglichen Zweifeln nicht unterkriegen. Deine Crowd ist größer als du denkst!
  • Habe eine klare Vision für dein Vorhaben.
  • Biete attraktive Prämien in verschiedenen Preissegmenten an

Autor: Max Martens

Max Martens ist Mitbegründer des Magazin des unpopulären Sports. Max schreibt als Redakteur für das fairplaid-Magazin über erfolgreiche Sportcrowdfunding-Aktionen und nimmt auch die unbekannten Sportarten in seine redaktionelle Arbeit bei fairplaid mit auf. In seinem Leben hat er schon viele Sportarten ausprobiert. Keine hat ihn wirklich lange gefesselt. Aber dann lernte er Quidditch kennen und ist diesem Sport sofort verfallen. Seit 2016 spielt er bei den SCC Berlin Bluecaps.


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