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„Wir können jeden Euro gebrauchen“ funktioniert nicht!

Marthe-Victoria Lorenz | 8. Juli 2015

“Wieso muss ich mich auf ein Budget beschränken? Und wieso bekommen wir das Geld nicht, wenn wir unser Ziel nicht erreichen? Wir als Verein können doch jeden Euro gebrauchen!”

Es stimmt, Vereine können jeden Euro gebrauchen, schließlich tun sie etwas Gutes. Das Problem: Es ist kein Argument! Denn: Geld kann ja irgendwie jeder gebrauchen.

Genau aus diesem Grund ist es schwierig für “Wir können jeden Euro gebrauchen“ Geldgeber zu finden. Der Satz erscheint nach außen, als ob man sich keine Gedanken gemacht hätte, was mit dem Geld passieren soll. Anders ist es so: “Wir brauchen 500€, um uns Trikots für die Jugend kaufen zu können.”

Im ersten Schritt solltet Ihr also heraufinden, was Ihr wollt. Wieso braucht Ihr Geld? Was soll damit gekauft werden? Mit welchem ZIEL soll das Geld ausgegeben werden?

Nur wer sein Ziel kennt, kennt auch den Weg.

Im Sport geht es meist darum, bestimmte Ziele in einer bestimmten Zeit zu erreichen.

Zwei Beispiele:

  • So schnell wie möglich die 100m-Linie erreichen.
  • So viele Tore wie möglich in 90 Minuten erzielen.

Jedes Ziel hat also ein “ENDE”, an dem man zurückblicken kann und sehen kann: Ich habe mein Ziel erreicht – oder nicht. In diesen zwei Beispielen ist das ZIEL nach 100m-Linie oder eben nach 90 Minuten erreicht.

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Wie Ziele richtig aussehen

Je konkreter Ziele sind, desto glaubwürdiger erscheinen sie. Hier ein paar Beispiele aus dem Alltag, die Euch zeigen werden, wie schnell konkrete Angaben ein Ziel verändern können:

  • Ich will abnehmen vs. ich will bis Ende Juli 4 kg abnehmen
  • Ich will neue Kunden gewinnen vs. ich will 10 neue Kunden bis Ende Februar gewinnen.
  • Wir möchten die Besten werden vs. Wir möchten in zwei Jahren Oberliga-Meister werden.
  • Wir möchten so viele Mitglieder wie möglich gewinnen vs. wir möchten innerhalb von zwei Jahren unsere Mitgliederzahl verdoppeln

Als in den USA Crowdfunding aufkam, entstand genau aus diesem Grunde das Alles-oder-Nichts-Prinzip.

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 Wer schon mal eine Bachelor-Arbeit geschrieben hat weiß wie wichtig ist es, eine Deadline für sein Ziel zu haben und welche Energien man kurz vor Ablauf der Deadline auf einmal besitzt.  So ist es auch meist bei Crowdfunding-Projekten. Während der 60-Tage-Laufzeit passiert das Meiste am Anfang und eben am Ende. Ohne Ende würde also nicht viel passieren.

Zum Anderen ist klar, dass Ziele nur umgesetzt werden können, wenn die entsprechend finanziellen Mittel da sind. Entweder Du hast Geld für 12 Trikots zusammen – oder nicht. Ein Mittelding gibt es nicht. Es gibt keinen halben Trikotsatz, ein halbes Stadion oder nur die Hälfte der Mannschaft fährt zur WM. Entweder fahren alle – oder keiner. Entweder man baut ein Stadion – oder nicht. Entweder man kauft einen ganzen Trikotsatz – oder keine. Mehr geht immer, weniger nicht.

Wie Du dies für Deinen Verein/ Dich umsetzen kannst:

Im ersten Schritt ist es wichtig zu wissen, was man will und diese Ziele zu formulieren. Was möchtest Du mit dem Verein, mit der Abteilung, oder als Sportler langfristig erreichen? Und was für Schritte müssen dafür getan werden?

Ein Beispiel:
In 5 Jahren möchten wir eine Jugendbundesliga-Mannschaft stellen

Das große Ziel liegt mit 5 Jahren also langfristig in der Zukunft. Dennoch müssen Schritte bereits JETZT eingeleitet werden, z.B. das Schul-AG-Netzwerk ausgebaut werden, ggf. ein neuer, professioneller Trainer angestellt werden, neue Hallenzeiten angefordert werden, ein Teammanager gefunden werden, die Außendarstellung ausgebaut werden, regelmäßige Trainingslager stattfinden etc. Dass sich die Mitgliederzahl dadurch erhöht und die Strukturen professioneller werden sind hierbei “Nebeneffekte”, die automatisch dabei auftreten (sollten).

Willst Du eine Crowdfunding-Kampagne starten, sollte das Ziel nicht in allzu weiter Ferne liegen (z.B. Ausbau des Schul-AG-Netzwerkes), damit die Unterstützer schnell Ergebnisse sehen können. Die Vision (Jugendbundesliga-Team in 5 Jahren) kannst und solltest Du aber deutlich machen.

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Autor: Marthe-Victoria Lorenz

Marthe ist Gründerin von fairplaid.org und kämpft für mehr Förderung des Breitensports. Sie ist leidenschaftliche Basketballerin und engagiert sich ehrenamtlich in der Basketball-Abteilung von Türkiyemspor Berlin 1978 e.V. als Vorstandsmitglied sowie als Trainerin einer U12-Mädchenmannschaft.


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