626€ im Monat bei einer 60-Stunden-Woche – Warum Spitzensportler unter Existenzängsten leiden

Geschrieben von Marthe-Victoria Lorenz

23 Nov 2015

37,1% der deutschen Spitzensportler beenden ihre Karriere, weil sie sich auf Studium und Beruf konzentrieren wollen. Im Vergleich: Nur 10,2% tuen es aus Altersgründen, 10,5% aufgrund von Verletzungen und nur 4,6% wegen Erfolgs- und Perspektivlosigkeit. Das ergab die Umfrage der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Fazit:

Für unsere Spitzensportlern werden das finanzielle Auskommen und die Möglichkeit zur Dualen Karriere während der aktiven Laufbahn zu immer wichtigeren Erfolgsfaktoren. Nicht mangelnder Erfolg, sondern die Konzentration auf Ausbildung und Studium ist die Hauptursache für das Karriereende vieler Spitzensportler.

Kaderathleten erhalten durchschnittlich 626 Euro netto im Monat – bei einer 60-Stunden-Woche. Kein Wunder also, dass rund 57% der Athleten unter Existenzängsten leiden. Eine weitere Erkenntnis aus der Studie zeigt, dass B-Kaderathleten, die nach 3 Jahren keine Platzierung im A-Kader erhalten haben, auch signifikant weniger Chancen auf zukünftige Medaillen haben. Aus diesem Grund soll zukünftig die maximale Förderzeit im B- und C-Kader beschränkt werden um „die begrenzten Mittel auf jene Athleten (zu) konzentrieren, die Chancen auf die absolute Weltspitze hätten“. Mit dieser Entscheidung würden die Athleten natürlich noch mehr unter Druck gesetzt werden.

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Unsere Spitzenathleten stehen unter gewaltigem Druck.

Aus diesem Grund hat die Stiftung Deutsche Sporthilfe u.a. gemeinsam mit dem DOSB und Vertretern der deutschen Wirtschaft die Initiative „Sprungbrett Zukunft – Sport & Karriere“ ins Leben gerufen. Ziel ist es langfristig die berufliche Situation der Athleten nach der sportlichen Karriere abzusichern. Dies soll erreich werden durch:

  • Schaffung von vier- bis sechswöchige Kurzzeitpraktika in Unternehmen, mit Rücksicht auf die sportlichen Verpflichtungen
  • Möglichkeit einer Kennwortbewerbung mit Gesprächsoptionen für ausgeschrieben Stellen für Sportler, und solche, die ihre sportliche Karriere bereits beendet haben
  • Auflagen eines Mentoren-Programms, mit dem Entscheider aus der Wirtschaft Begleiter junger Athleten werden

Die Athleten wollen sich mit ihrer Zukunft auseinandersetzen. Doch leider müssen für eine erfolgreiche Ausbildung auch (bzw. noch mehr) die Unternehmen mitspielen. Noch im Juli diesen Jahres gingen der DOSB, die Sportministerkonferenz der Länder (SMK) und der DIHK davon aus, dass etwa 200 spitzensportkompatible Ausbildungsplätze und ca. 300 mit dem Spitzensport vereinbare Arbeitsplätze fehlen. Kein Wunder also, dass viele Athleten „Angst“ vor der unsicheren Zeit nach der Sportkarriere haben. Und das ist widerrum sicherlich nicht hilfreich, wenn sie versuchen ihre Leistungen weiterhin abrufen zu können und sogar noch zu verbessern.

Hier gibt es weitere Informationen zu der Initiative.

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Einen guten Weg ist Hamza Touba, Fliegengewicht im Boxen, gegangen. Er bekam die Chance seine sportliche Karriere mit einer Ausbildungsstelle zu verbinden. Daimler ist eines der wenigen Unternehmen, die eine Kooperation mit dem Hochleistungssport führen. Im Interview erzählt er von seinem Alltag als Spitzenathlet mit einer dualen Karriere.

Dirk Schimmelpfennig, der Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes fordert aus diesem Grund, dass die Duale Karriere bei der Neustrukturierung der Spitzensportförderung eine wichtige Rolle einnehmen soll. Angedacht sei beispielsweise die Möglichkeit der Ablegung des Abiturs in zwei Blöcken, sowie eine Anpassung der Präsenzzeitenregelung.

Bereits vor 2 Jahren wollte der DOSB mit dem Zehn-Punkte-Papier zur Dualen Karriere im Sport einen signifikanten Schritt nach vorne gehen. Leider hängt es hier an „Umsetzungsproblem“.

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