Vergesst Facebook, die E-Mail kommt wieder

Marthe-Victoria Lorenz | 3. Dezember 2015

Ok, ganz so dramatisch vielleicht doch nicht. Ganz vergessen sollte man facebook sicherlich nicht. Schließlich hält sich ein Großteil euer Fans, Mitglieder und aktiven Sportler dort auf und sieht eure Beiträge.

Aber: eben nicht alle und auch nicht alle, die eure Facebook-Seite liken, sehen dann auch eure Beiträge. Aufgefallen ist mir das bei meinem eigenen Verein. Da ich seit geraumer Zeit weniger Zeit und mich aus dem aktiven Spielbetrieb zurückgezogen habe, bekomme ich absolut nicht mehr mit, was in meinem Verein los ist. Nur ab und an erscheint in meinem Facebook-Stream ein Beitrag, häufig so, dass ich Neuigkeiten erst im Nachhinein erfahre (oh, am Wochenende war Heimspiel? Ich hätte doch Zeit gehabt..).

Wieso Facebook sich immer weniger eignet, um Neuigkeiten zu verbreiten

Wenn jemand auf Facebook zu Deinem „Fan“ wird bedeutet dies nicht, dass er alle Deine Beiträge sieht, die Du veröffentlichst. Denn: Jeden Tag wird eine sehr große Masse an Beiträgen geteilt, sodass inzwischen ein regelrechter Wettbewerb entsteht und es immer schwieriger für Deinen Beitrag wird, Aufmerksamkeit zu bekommen.

Diesen Wettbewerb macht sich Facebook genau zu nutze. Denn Facebook ist ein gewinnorientiertes Unternehmen und möchte Geld verdienen. Das Prinzip bei Facebook ist deshalb ganz einfach: Wer für die Bewerbung des Beitrages zahlt, dessen Beitrag spielt Facebook vermehrt an die Fans der Facebook-Seite aus. „Normale“ Beiträge dagegen sieht nur ein kleiner Teil Deiner Community. Ausnahme: Dein Beitrag ist für Deine Fans so interessant, dass diese liken, teilen, kommentieren. Je mehr Interaktion, desto öfter wird der Beitrag ausgespielt. Man unterscheidet deshalb zwischen organischer Reichweite und bezahlter Reichweite.

Wann und wie Dein Beitrag ausgespielt wird hängt demnach vor allem von einer Sache ab: dem Facebook-Algorithmus.  Wird der Algorithmus geändert, so kann dies schon große Folgen für Facebook-Seiten haben.

So geschehen 2013. Um Werbeeinnahmen zu steigern hat Facbeook die organische Reichweite der Facebook-Seiten massiv eingeschränkt und so Facebook-Seitenbetreiber gezwungen, ihre Beiträge zu bewerben. Außerdem ändert Facebook auch immer die Art der Inhalte. So wurden erst Beiträge mit Links öfter angezeigt als reine Texbeiträge. Seit geraumer Zeit möchte Facebook auch zum Konkurrenten von Youtube werden und zeigt direkt bei Facebook hochgeladene Videos öfter im Nachrichten-Stream auf.

Mehr dazu findet ihr hier.

Wieso E-Mail

Anders als bei Posts in Social Media, Nachrichten über Whatsapp oder anderen Kommunikationsmitteln, erreicht eine E-Mail so gut wie alle Menschen. Und zwar egal, ob die Menschen Google Mail, GMX, web.de, eine private oder geschäftliche E-Mail-Adresse haben oder einen anderen Service nutzen: Sie erhalten Deine Nachricht.

Ob sie sie lesen möchten, ist dann natürlich noch eine andere Frage. Aber zumindest kannst Du dies selbst beeinflussen, indem Du einen tollen Betreff und E-Mails schreibst, deren Inhalt die Empfänger interessiert.

So startest Du

Auch wenn es viele Newsletter-Anbieter gibt, würde ich immer eine lokale E-Mail-Liste pflegen, denn auch hier gilt: Je unabhängiger Du von einem Anbieter bist, umso besser. Lege hierzu eine einfache Excel-Liste an. Ich habe Dir hier eine Vorlage aufbereitet, die Du als Basis direkt nutzen kannst.

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Vorlage herunterladen

 

WICHTIG: Kategorisiere Deine Liste nach Art des Kontakts. Weshalb? Nicht jeden interessiert jede Information und wir möchten Spam auf jeden Fall vermeiden. Der treue Fan freut sich über Informationen über das Heimspiel, wer allerdings für den Kuchenverkauf  am Wochenende verantwortlich ist, interessiert ihn nicht. So kannst Du mit einfacher Filterung E-Mails auch nur an einen Teil Deiner Liste versenden.

Hier ein Beispiel:

  • Nächste Heimspiel am Wochenende: diese E-Mail geht an alle
  • Camp für unsere Jugendlichen: an alle aktiven Sportler und Eltern der Kinder
  • Mitgliedsbeitrag wird nächste Woche eingezogen: an alle Mitglieder
  • Helfer gesucht für Jugendcamp: An alle Eltern und aktiven Spieler
  • Sponsoren-Networkingabend nächste Woche: An alle Sponsoren

Ich habe folgende Kategorisierung vorgenommen, Du kannst selbstverständlich eine Kategorisierung wählen, die auf Deinen Verein oder Dich als Sportler passt. Um Fehler bei der Eingabe zu vermeiden, kannst Du die Kategorien als Dropdown-Liste anlegen (wie das geht siehst Du hier). Die Kategorisierung kann sich außerdem ändern. So kann ein Elternteil zum Fan werden oder in beiden Kategorien vertreten sein. Es ist also wichtig, die Liste zu aktualisieren.

Aus Datenschutzgründen solltest Du beim Versand der E-Mail unbedingt alle E-Mail-Adressen in das Feld „BCC“ eintragen und die E-Mail z.B. an info@dein-vereinsname.de schicken.

Double-Opt-In-Verfahren:

WICHTIG: Versendest Du „Werbung“ z.B. für Merchandising-Artikel oder für das nächste Heimspiel, musst Du nachweisen, dass jeder Deiner Abonnenten Deine Nachricht erhalten möchte. Die meisten machen sich das „Double-Opt-in-Verfahren“ zu nutze, dass Du von jeder Registrierung kennst („Bitte aktiviere Deine E-Mail-Adresse“).

Wenn Du also wirklich in E-Mail-Marketing starten möchtest, solltest Du allen E-Mail-Adressen in Deiner Liste eine kurze E-Mail schreiben und diese auffordern, dir per E-Mail kurz zu bestätigen, dass die Person News von Dir erhalten möchte („Hiermit bestätige ich, dass TSV Musterstadt e.V. mir Neuigkeiten, die den Verein und den Spielbetrieb betreffen, zusenden kann.“). Speichere die Antworten als PDF und sammle diesen in einem Ordner.

Einfacher geht es mit einem Newsletter Programm. Diese sind v.a. zu Beginn noch völlig kostenfrei. Erst ab einer bestimmten Abonnentenzahl entstehen Kosten (bei Mailchimp ab 2.000 Abonnenten, bei CleverReach ab 250 Abonnenten).

Newsletter Programme:

 

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Mailchimp ist ein amerikanischer Newsletter-Anbieter und wird von allen als DER Anbieter gehandelt. Man kann bis zu 2.000 Abonnenten kostenlos verwalten und 12.000 Newsletter im Monat kostenlos versenden, was für die meisten schon ausreicht. Außerdem ist das Erstellen und Versenden der E-Mails sehr einfach.

Nachteil: Die E-Mail-Adressen liegen auf einem amerikanischen Server. Zwar ist die Gesetzeslage hierzu nicht eindeutig geregelt und eine Grauzone. Wer aber auf Nummer sicher gehen möchte, sollte auf einen Deutschen Anbieter zurückgreifen.

 

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Cleverreach ist ein Anbieter aus Deutschland und hat nicht alle Funktionen, die Mailchimp anbietet. Auch die Konditionen sind um einiges schlechter. Nur 250 Empfänger können mit 1000 Emails in Monat kostenlos erreicht werden. Danach startet das Bezahlpaket ab 10€ im Monat. Aber: Der Sitz des Unternehmens und der Server liegt in Deutschland. Datenschutzrechtlich ist man hier wohl auf der sichereren Seite.

Wer weitere Anbieter wissen möchte, kann sich diesen Artikel auf t3n durchlesen.

Das Arbeiten mit Newsletter-Anbietern hat viele Vorteile:

  • Es gibt ein Double-Opt-In-Verfahren, welches Du ganz leicht nutzen und einbinden kannst.
  • Du kannst einen Newsletter Bereich in Deine Webseite einbauen und so E-Mail-Adressen einsammeln, ohne dass Du manuell eine Excel-Liste pflegen musst.
  • Die Menschen können sich austragen und werden dann automatisch aus Deiner Liste gestrichen
  • Die Anwendungen haben bereits viele E-Mail-Vorlagen, mit denen Du arbeiten kannst und Deine E-Mails nicht nur auf dem PC, sondern auch auf dem Handy
    richtig gut aussehen lassen
  • Die Programme zeigen, wie viele Menschen überhaupt Deine E-Mail öffnen und auf Links klicken. So kannst Du Deine E-Mails immer weiter verbessern.
  • Die Programme machen A/B Tests möglich.

Was sind A/B-Tests und wieso Du diese durchführen solltest

Die vorgeschlagenen E-Mail-Anwendungen bieten sogenannten A/B-Tests an. Dies bedeutet nichts anderes, als dass das Programm deine Liste in zwei Gruppen teilt: Gruppe A und Gruppe B.

Hast Du also 100 E-Mail-Adressen in Deiner Liste, dann hat Gruppe A die ersten 50 Zeilen, Gruppe B die zweiten 50 Zeilen. Deine E-Mail wird dann z.B. um 15 Uhr an Gruppe A und um 19 Uhr an Gruppe B versendet. Im Programm kannst Du dann sehen, in welcher Gruppe die E-Mail am meisten geöffnet und z.B. auf einen Link geklickt wurde. So kannst Du herausfinden, welche Uhrzeit am Besten für Deine E-Mails ist.

Wenn Du noch weiter gehen möchtest, kannst Du in diesen A/B-Test auch verschiedene Betreffzeilen testen. Natürlich kannst Du dies auch manuell durchführen, ist halt mehr Arbeit.

Fazit: Macht euch nicht von einem Kanal abhängig.

Wir machen uns immer mehr abhängig von Facebook, Twitter, Instagram und anderen Kanälen. Natürlich sollen diese Kanäle bedient werden. Aber die Kommunikation darf nicht sofort ins Stocken geraten, sollte Facebook mal wieder auf die Idee kommen, einen Algorithmus zu ändern. Solange die Unternehmen, die dahinter stehen, Geld verdienen wollen und Du dir es nicht leisten kannst, Geld dafür auszugeben, solltest Du alternative Wege bereit haben, um Deine Mitglieder, Fans, Zuschauer im Fall der Fälle zu erreichen.

Eine Kontaktliste bringt Dir übrigens auch zukünftig etwas. Denn neben der E-Mail-Adresse kannst Du dort auch Handynummern sammeln. Sollte es sich also als effektiv erweisen, Informationen über Massen-SMS oder WhatsApp zu übermitteln, kannst Du die Liste direkt wieder verwenden.

Autor: Marthe-Victoria Lorenz

Marthe ist Gründerin von fairplaid.org und kämpft für mehr Förderung des Breitensports. Sie ist leidenschaftliche Basketballerin und engagiert sich ehrenamtlich in ihrer Basketball-Abteilung des MTV Stuttgart 1843 e.V.


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