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Monokultur „Fussball“: Das Versagen im deutschen Sport!

Dagmar Erhardt | 8. September 2016

Die Begeisterung der Deutschen für den Fußball wird für die anderen Sportarten zu einem immer größeren Problem: Werbewirtschaft und Sponsoren konzentrieren sich nur noch auf die Fußballclubs. Für viele andere Vereine bleibt trotz herausragender sportlicher Leistungen nicht mehr viel übrig – mit gravierenden Folgen für die Sportlandschaft.

Deutschland bleibt auch nach den Olympischen Spiele in #Rio2016 ein Land der Monokultur im Sport. Nur das Beach-Volleyball-Endspiel mit Laura Ludwig und Kira Walkenhorst schlug bei den TV-Übertragungen quotentechnisch die Sportart „Fußball“, die mit den beiden Endspielen inklusive deutscher Beteiligungen knapp dahinter im Vergleich der absoluten Zahlen folgen:

1. Halbfinale Beach-Volleyball: 8,55 Millionen Zuschauer (MA 28,7 %).
2. Endspiel Männer-Fußball:     8,25 Millionen Zuschauer (MA 43,6 &).
3. Endspiel Frauen-Fußball:     7,72 Millionen Zuschauer (MA 30,6 %).

König Fußball dominiert vor, während, und klar nach Olympia mit dem Bundesligastart weiter das Geschehen in Deutschland:

Schuld an der Misere sind für mich der kaum innovative #DOSB und seine einzelnen Sport-Fachverbände, die ebenfalls keinerlei Eigen-Initiative zeigen, um dem entgegenzuwirken. Ob sie nun auf eine Initialzündung ihres Dachverbandes warten, oder selbst zu mutlos sind, mag ich an dieser Stelle nicht zu beurteilen. Klar ist aber: Mit Hilfe des Netz und der sozialen Medien waren und sind die Chancen für Randsportarten noch nie größer gewesen, aus dem Schatten dieser zurzeit herrschenden Monokultur regelmäßig herauszutreten:

Neu

Doch surft man sich durch die digitalen Angebote der Sport-Fachverbände in Deutschland stößt der User auf Bleiwüsten garniert mit den üblichen Fotos „Gruppenbild mit Dame“ oder „Neuer Vorstand gewählt“. Geschweige denn auf responsive Webseiten, die für alle Endgeräte optimiert sind. Bei den Radrennfahrer kein Zieleinlauf eines Rennens vom Wochenende als Bewegtbild – die immer noch die emotionalsten und wirkvollsten Kommunikationsform sind und entsprechende Aufmerksamkeit generieren könnten. Oder Beispiel Dart-Sport, der momentan nicht zuletzt durch die Sport1-Übertragungen ohne Ende boomt: Die Webseite als unoptimierte Bleiwüste ohne spannenden Content, den der Sport bei jedem Wettkampf selber generiert.

Keiner, der mit Hilfe eines Smartphones vielleicht ein Video generiert, und über einen Youtube-Account oder Vimeo-Account hochlädt. Keiner, der einfach mal mit dem Smartphone und seiner hochwertigen Audio-Aufnahmefunktion ein Interview mit dem Sieger führt – oder wenigstens mal ein Foto davon macht, und es aktuell kurz nach dem Wettkampf einfach auf der verbandseigenen Webseite hochlädt. Im Gegenteil: Immer wenn ich Vorträge über die unendlichen Möglichkeiten mit Hilfe des Internets und sozialen Medien in den Verbänden halte, ernte ich nur unglaubiges Staunen. Dabei handelt es sich um wirklich geringe Anforderungen, die jeder Teenager heutzutage mit links macht. Und alles mit einem handelsüblichen Smartphone möglich, wie mein hier online gestellter Standard-Vortrag darüber noch einmal rudimentär aufzeigt:

Sportdeutschland.TV nicht mehr Eigentum des Sports

Nun können mir Kritiker vorwerfen: Ja, aber der DOSB hat doch mit Sportdeutschland TV ein tolles Angebot geschaffen, um Randsportarten einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen – und sich gleichzeitig auch weniger abhängig von den Fernsehsendern. Sportdeutschland TV ist eine klasse Idee, nur: Mittlerweile ist der Sport abseits des Fußballs wieder einmal nicht mehr Herr im eigenen Hause, weil der Sender nun seit kurzem Pro7Sat1 gehört. Zum anderen sitzt er nicht mit im Hause des DOSB, sondern weit weg alleine in Köln. Dies mag mit der Sendelizenz zu tun haben, die von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) als Aufsichtsbehörde erteilt worden ist. Aber sonst wenig Sinn macht: Denn wer so ein machtvolles Instrument ernst nimmt, und überall in den Fachverbänden implementieren will, holt diese Business Unit ganz klar ins Stammhaus. Auch und um gerade mit Fortbildungen in Sachen Livestreaming das Angebot seitens aller Sportarten Schritt für Schritt auszubauen, und mit Sportdeutschland als Dienstleister dafür zu agieren, dass jemand seine Kamera auf das Spiel bzw. den Wettkampf hält. Schließlich funktioniert der Sender ja so, dass Sportbegeisterte die Übertragung selber organisieren, und der Sender das technische Knowhow dazu bietet.

Alles im allem auch hier eine verpasste Chance, die es dem Fußball in Deutschland viel zu leicht macht, immer größer zu werden: So verkommt #Sportdeutschland zur Monokultur „Fußball“.

 

Dies ist ein Beitrag von Thorsten Poppe. Vielen Dank dafür.

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Autor: Dagmar Erhardt

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