So viel Geld kannst du mit deiner Crowdfunding-Kampagne einwerben

Marthe-Victoria Lorenz | 1. Dezember 2016

Lieber ein großes Projekt, oder mehrere Kleine? Wie viel Geld kann ich als Athlet/ Verein mit fairplaid-Crowdfunding einsammeln? Ist es als Einzelathlet überhaupt möglich, Crowdfunding zu betreiben? Ist meine Crowd zu klein? Ist ein 100.000€ Projekt überhaupt realistisch?

Diese Fragen hören wir häufig. Dieser Artikel soll dir helfen, genau dies einzuschätzen. Da sich vor allem Athleten und Sportvereine mit großen Summen schwer tun, gehen wir von größeren Projekten im fünf- bis sechsstelligen Bereich aus.

Alles ist möglich, wenn…

Grundsätzlich gab es auf fairplaid bisher Crowdfunding-Kampagnen von 250€ (Ringer aus Weiden) bis 565.000€ (1.Eishockey-Bundesliga Hamburg Freezers). Und ja, auch kleinere Oberliga-Clubs haben bei uns schon sechsstellige Summen über ein fairplaid-Projekt möglich gemacht, auch Einzelathleten fünfstellige Summen erreichen können. Sprich: Alles ist möglich.

Damit aber alles möglich ist, bedarf es einer entsprechenden Vorbereitung. Je mehr Geld eingeworben werden soll, desto besser muss das Projekt vorbereitet und durchgeführt werden. Und so kannst du den Aufwand einschätzen.

Wie groß muss die Crowd für welche Summe sein?

Beim fairplaid-Crowdfunding geht es darum, dass viele Menschen gemeinsam ein Projekt stemmen, anstatt nur eine Organisation oder ein Unternehmen.

Dies bedeutet: Die Hürde, Sponsoren/Unterstützer zu finden ist viel geringer, weil jeder ab 1€ mitmachen kann. Dafür ist es notwendig, statt nur Einem, Viele zu erreichen. Ohne Crowd kein Crowdfunding.

Wie viele Unterstützer notwendig sind ist einfache Mathematik. Im Schnitt unterstützen die Menschen mit 60-80€, das sagen unsere Daten. Gehen wir vorsichtshalber von weniger aus, dann reden wir von 50€ pro Projekt-Unterstützer.

Je höher die Summe, desto höher werden im Normalfall die gegebenen Durchschnittssummen. Bei 100.000€ liegen diese bereits bei um die 80€. Dies seht ihr an den folgenden Beispielen.

Um die 5000€

Dies bedeutet nach unserer Rechnung:
5000€ (benötigte Summe) : 50€ (Unterstützersumme im Schnitt) = 100 Unterstützer

Charles Franzke zeigt mit seinem Projekt dies auch in der Realität. Er finanziert seinen Weg zur WM über fairplaid-Crowdfunding (Hier geht es zu seiner Projektseite).

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Auch das Floorball-Nationalteam machte mit 88 Unterstützern eine Summe von 5.727,50€ möglich (hier geht es zur Projektseite).

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Um die 50.000€

Wer bis zu 50.000€ einwerben möchte, sollte mit entsprechend 1000 Unterstützern rechnen.

50.000€ notwendige Summe  : 50€ im Schnitt = 1000 Untersützer

Unser Beispiel zeigt jedoch, dass 50€ nicht immer die Durchschnittssumme sein muss. 330 Unterstützer ermöglichten mit 43.651€ die Lizenz für die zweite Bundesliga der Nürnberg Falcons. Die Durchschnittssumme lag hier bereits bei 132€ (hier geht es zur Projektseite).

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Um die 100.000€

In unserer Rechnung:
100.000€ (benötigte Summe) : 50€(gegebene Summe im Schnitt) = 2000 Unterstützer.

Bad Nauheim hat aber bereits für knapp dieselbe Summe nur 973 Unterstützer benötigt. Die Durchhschnittssumme lag bei 88€ pro Unterstützer (hier geht es zur Projektseite).

fairplaid-crowdfunding-sport-eishockey-bad-nauheim

Die Icefighters Leipzig liegen schon eher in diesem Bereich. 163.725€ und 2303 Unterstützer, macht eine Durchschnittssumme von 71,10€ (hier geht es zur Projektseite).

fairplaid-crowdfunding-sport-eishockey-icefighters-leipzig

Um die 500.000€

In unserer Rechnung werden bei 500.000€ bereits 10.000 Unterstützer benötigt:
500.000€ notwendige Summe: 50€ Summe im Schnitt = 10.000 Unterstützer

Die bisher erfolgreichste fairplaid-Kampagne lieferte Freezers-Fan Frederik Gutzeit in Zusammenarbeit mit Christoph Schubert, dem Kapitän der Hamburg Freezers, sowie Moritz Fürste.  In 5 Tagen kamen von 3450 Unterstützern eine Summe von 567.512€ zusammen. Durchschnittlich hat hier jeder Unterstützer 164,50€ in die Wagschale geworfen, also die Dreifache Summe (hier geht es zum Projekt).
fairplaid-crowdfunding-sport-eishockey-hamburg-freezers

 

Wie erreiche ich eine hohe Durchschnitts-Summe?

Je höher die im Durchschnitt gegebene Summe ist, desto weniger Unterstützer werden am Ende benötigt. Hierzu möchte ich noch erwähnen, dass viele Unterstützer nicht schlecht sind. Im Gegenteil: Je mehr Menschen sich finanziell beteiligen, desto mehr Interesse besteht danach an dem Projekt selbst und seinem Fortlauf.

Vor allem aber bei Projekten mit hohem Finanzierungsziel sollten Durchschnitts-Summen von 100€ angestrebt werden.

Besonders Attraktive Prämien im höheren Preissegment

Bei den Hamburg Freezers kam dies vor allem deshalb zustande, da das Retter-Trikot, die attraktivste Prämie für die Supporter 150€ kostete und von den meisten Supportern gekauft wurde. Es besteht also die Möglichkeit, die Menschen mit besonders attraktiven Prämein im gewünschten Durchschnitts-Niveau dazu zu motivieren, mehr zu geben, als sie ursprünglich geplant hatten. Vor allem bei größeren Projekten sollten viele kleinteilige Prämien deshalb vermieden werden, um damit die Menschen gar nicht erst auf die Idee zu bringen, weniger könnte auch reichen. Stattdessen im Preisniveau von 100€ mehrere besonders attraktive Prämien einstellen kann helfen.

Durchschnitts-Niveau in Kommunikation einbetten und häufig wiederholen

Bereits in der Kommunikation könnt ihr die durchschnittliche Summe, die ihr anstrebt und bei der ihr die attraktivsten Prämien platziert habt, den Menschen im Gehirn einpflanzen. Hierzu sollte diese in den Texten (z.B. bei E-Mail-Ansprachen oder facebook-Posts) untergebracht werden und mehrfach wiederholt werden. Hier ein paar Beispiele.

„Nur 1000 Menschen mit 100€, und schon wird unser Stadion Realtiät.“
„Die ersten 100 von 1000 mit jeweils 100€ sind bereits dabei.“
„Für 100€ kannst du dir Prämie XY sichern. Eine einmalige Chance.“

Wie finde ich meine Crowd?

Eine Crowd zu haben reicht alleine nicht. Man muss sie auch erreichen können.

Strategisch Kontaktdaten sammeln

Viele Vereine sagen uns, dass sie ja meine Mitgliederliste, passt also. Aber: Viele der Menschen, die als Geldgeber in Frage kommen, können nicht erreicht werden. Eltern zum Beispiel, deren Kinder zwar Mitglied sind, sie selbst aber nicht. Hier müsste bei einer Kampagne der Umweg um den Trainer oder sogar den Spieler selbst gegangen werden. Zu viele Ecken und an jeder Ecke kann jemand hängen bleiben.

Auch nicht jeder, der ab und an in die Halle zu einem Heimspiel kommt, hat irgendwo mal seine E-Mail-Adresse hinterlassen oder auf den Gefällt-mir-Button auf facebook geklickt. Nichtsdestotrotz sind diese potentielle Geldgeber und müssen persönlich angesprochen werden können.

Deswegen ist Schritt 1 eine Excel-Liste zu starten und dort ab jetzt strategisch E-Mail-Adressen und Kontaktdaten einzutragen oder nachzutragen, beispielswiese von Eltern oder auch von der Personengruppe, die am wahrscheinlichsten an einer Crowdfunding-Kampagne als Unterstützer teilnehmen: ehemalige Spieler des Vereins. Diese sind aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit meist nicht mehr aktiv und haben keine Zeit mehr, dafür mehr Geld. Hier ein Beispiel, wie eine solche Liste aussehen kann.

Online-Community ausbauen

Wie bei den E-Mails ist auch nicht jeder Freund und Freundesfreund gleich ein Facebook-Fan oder Instagram Follower. Die Community kann mit einigen einfachen Mitteln aufgebaut werden.

Facebook Einladungs-Funktion nutzen

Wer einen Beitrag deiner Vereins-Facebookseite liked und nicht Fan von deiner Seite ist, kann von dir eingeladen werden, Fan zu werden. Zumindest 10% der Menschen, die eingeladen werden, klicken danach den Gefällt-mir-Button. Wie du diese Funktion richtig nutzen kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Instagram Like-Funktion nutzen

Damit Freunde von Spielern auf deine Instagram aufmerksam werden, kann die Like-Funktion genutzt werden. Einfach auf die Abonnenten von Spielern klicken und einige Bilder von Freunden mit einem Herz markieren. Die Abonnenten erhalten dann eine Nachricht, dass das Bild von dieser Seite geliked wurde und werden neugierig. Sie besuchen zumindest die Seite und klicken bei gefallen auf „Folgen“.

Ein Projekt oder mehrere Projekte?

Du kannst nur ein bis zwei Kampagnen im Jahr machen, wenn dieselben Menschen angesprochen werden. Für die Crowd erscheint dies sonst so, als hättet ihr keinen Plan gehabt und etwas „vergessen“, was ihr jetzt nachziehen müsst.

Zudem hast du Aufwand, gleich wie groß die Kampagne ist. Ein fairplaid-Projekt muss vorbereitet werden. Erst wird eine Projekt-Idee bestimmt, dann die Projektseite gestaltet und die Verbreitung vorbereitet. Dies muss passieren, gleich ob viel oder wenig gesammelt wird. Da man sowieso schon Aufwand hat, lohnt sich dieser umso mehr, je mehr Geld im Nachhinein dabei herauskommt. Lieber also einmal Zeiteinsatz und das Größtmögliche dabei herausholen, als diesen Zeiteinsatz alle drei Monate zu haben.

Anders verhält sich es, wenn Abteilungen innerhalb eines Vereins ein fairplaid-Projekt starten. Hier werden bei jeder Kampagne verschiedene Personengruppen angesprochen, dementsprechend können hier sogar zwei fairplaid-Projekte parallel laufen.

Autor: Marthe-Victoria Lorenz

Marthe ist Gründerin von fairplaid.org und kämpft für mehr Förderung des Breitensports. Sie ist leidenschaftliche Basketballerin und engagiert sich ehrenamtlich in ihrer Basketball-Abteilung des MTV Stuttgart 1843 e.V.


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